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Kerry Brown: China’s World. The Foreign Policy of the World’s Newest Superpower

12.07.2023
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Autorenprofil
Dr. Falk Hartig
London, Bloomsbury Publishing 2021 (Softcover)

Löst konsequentes Decoupling unsere Abhängigkeit von China? Am „neuen Reich der Mitte“ führe längst kein Weg mehr vorbei, so Kerry Brown in seinem 2017 veröffentlichten und 2021 als Taschenbuch aufgelegten Buch. Darin eruiert der Sinologe, Leiter am China Institute des King’s College in London, warum eine Abkopplung anders als in den 1990er-Jahren heute keine Option sein kann. Unser Rezensent Falk Hartig ordnet Browns Erkenntnisse zu China nun im Nachgang zur Covid-19-Pandemie und dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine in die aktuellen Entwicklungen der internationalen Beziehungen ein. (tt)


Eine Rezension von Falk Hartig

Chinas Aufstieg zu einer globalen Macht erfolgte in den letzten Jahrzehnten schrittweise und betraf lange Zeit vor allem die Wirtschaft. Doch unter Partei- und Staatschef Xi Jinping wird Chinas Anspruch unübersehbar, auch zu einer politischen Macht zu werden. Das zeigt sich unter anderem daran, dass China immer öfter sehr selbstbewusst – im Westen beschreibt man dies meist als aggressiv – agiert und der Rest der Welt sich gezwungenermaßen immer intensiver mit China beschäftigen muss.

Dabei passiert politisch teilweise so viel, dass oft schwer zu erkennen ist, welche Aspekte lediglich tagesaktuell für Aufregung sorgen und welche langfristig relevant sind.
Anfang Februar 2023 löste ein Ballon im nordamerikanischen Luftraum diplomatische Spannungen zwischen den USA und China aus. Washington vermutete einen Spionageballon, Peking sprach von einem verunglückten meteorologischen Forschungsprojekt. Mitte März 2023 normalisierten Saudi-Arabien und Iran dank Vermittlung Pekings ihre Beziehungen; Ende desselben Monats besuchte Xi Jinping Russland und erklärte Kremlchef Wladimir Putin, dass in der heutigen Welt Veränderungen zu sehen seien wie seit 100 Jahren nicht mehr.

Ebenfalls Ende März sprach EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in ihrer Grundsatzrede zur EU-Chinapolitik konfrontativer denn je über das Verhältnis zur Volksrepublik. Das führte dazu, dass sie, als sie gemeinsam mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im April nach Peking reiste, in den staatlich kontrollierten sozialen Medien Chinas als „alte Hexe“ oder „Hündin der USA“ beleidigt wurde, während dem Franzosen in staatlichen Medien eine gewisse „Aufrichtigkeit“ attestiert wurde (Kretschmer 2023).

Anfang April traf sich Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen in den USA unter anderem mit Kevin McCarthy, dem Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, zu Gesprächen. China, das Kontakte zwischen der Regierung in Taipeh und Vertreter*innen anderer Staaten ablehnt, reagierte auf den Besuch mit einem dreitägigen Militärmanöver rund um Taiwan. Dabei wurden die Abriegelung der Insel und Angriffe auf dort gelegene Schlüsselziele geprobt.

Mitte April absolvierte Außenministerin Annalena Baerbock ihren Antrittsbesuch in Peking, der nicht gänzlich konfliktfrei verlief, und auch beim anschließenden G7-Außenminister*innentreffen in Japan warf sie China eine Gefährdung der internationalen Ordnung vor (Blank 2023).

Und Anfang Mai schließlich kam es bei den Vereinten Nationen zu einer kleinen, zumindest rhetorischen, Kehrtwende dergestalt, dass China erstmals für eine Resolution stimmte, die Russland als „Aggressor“ in der Ukraine bezeichnet.

Bis vor wenigen Jahren spielte Russland eine untergeordnete Rolle für China

Diese Ereignisse zeigen einerseits, dass China ein immer wichtigerer Akteur auf der Weltbühne ist; andererseits verdeutlichen sie, wie schnell sich Akzente verschieben oder Konstellationen verändern können.
Das wird besonders deutlich, wenn man im Mai 2023 zu Kerry Browns Buch „China’s World“ greift. Veröffentlicht wurde es 2017 – und der hier rezensierten Paperback-Ausgabe aus dem November 2021 wurde lediglich ein Vorwort aus dem Jahr 2020 vorangestellt.

Wie sich die Zeiten geändert haben, wird am Beispiel Russlands überdeutlich. Brown, seines Zeichens Professor für Sinologie, Direktor des Lau China Institute am King’s College in London und einer der profiliertesten und vor allem produktivsten westlichen China-Watcher, widmet Russland gerade einmal knapp vier Seiten (137-140) in seinem 216 Seiten umfassenden Buch. Und 2017 hätte man dies kaum bemängelt. Wer sich dezidiert zu den Russisch-Chinesischen Beziehungen informieren will, greift zum Beispiel besser zu Kirchberger et al. 2022.

Interessant sind die Ausführungen zu Russland aber doch. So schreibt Brown, dass „ein schwaches, aber stabiles Russland“ die beste Option für China sei und die Volksrepublik ein solches Russland unterstützen würde. Also ein Land, das „keine Probleme verursacht, ein günstiges wirtschaftliches Verhältnis zu China pflegt“ und ansonsten vor allem als Rohstofflieferant in Erscheinung trete (139).
So stellt sich die Frage, welche Rolle Russland künftig für China spielen wird und ob die globalen Veränderungen wirklich so massiv sein werden, wie Xi bei seinem Besuch in Moskau verkündete.

Chinas Außenpolitik ist unter anderem von Emotionen geprägt

Grundsätzlich bietet Brown einen guten Überblick zur chinesischen Außenpolitik und kontextualisiert diese auf eingängige Weise. So beginnt er seine Ausführungen damit, indem er historische Bezüge zum derzeitigen chinesischen außenpolitischen Denken herstellt. Entscheidende Bezüge sind für ihn (1) die Erzählung vom Jahrhundert der Demütigung, mit der die Zeit der Intervention und Unterwerfung Chinas durch westliche Mächte und Japan von 1839 bis 1949 beschrieben wird; (2) das starke Verlangen nach Souveränität und Autonomie; (3) die Betonung von Selbstbestimmung und (4) der Ansatz, sich seit 1978 da auf die Außenwelt einzulassen, wo es China nutzt, aber ansonsten ungewollte Einflüsse dieser Außenwelt abzublocken (8).

Ebenso macht Brown deutlich, dass Außenpolitik in China eine überaus emotionale Sache ist. Es gehe oftmals um „Ehre und Stolz“ und die hochemotionale Wesensart zeige sich in der Sprache, die sich gegen all jene richte, die dem Land schadeten. Deutlich werde das unter anderem an der stehenden Redewendung, wonach „die Gefühle des chinesischen Volkes verletzt“ werden (24). Die chinesische Außenpolitik operiere somit innerhalb eines „emotionalen Rahmens“ (13) und mit einer außenpolitischen Grundhaltung, die „bittere Erinnerungen an vergangene Niederlagen und Erniedrigungen mit dem Verlangen kombiniert, wieder ein starker und mächtiger Staat zu sein“ (18).

So erfüllt sie eine wichtige Legitimationsfunktion für die Kommunistische Partei Chinas. Legitimität verschafft sich die Partei einerseits dadurch, das materielle Leben der Menschen zu verbessern. Andererseits aber auch dadurch, indem die ehemals zentrale Rolle Chinas auf der Weltbühne wiederhergestellt werde. Als dem „neuen Reich der Mitte“, das von anderen „bewundert wird, zu dem andere aufschauen und dem andere folgen“ (25).

Chinas Außenpolitik orientiert sich an verschiedenen Zonen

Den Hauptteil seines Buches widmet Brown Chinas Verhältnis zu verschiedenen Weltregionen. Er operationalisiert das Ganze, indem er die Welt in Zonen, also unterschiedliche geografische Gebiete, einteilt und deren Beziehung und Verhältnis zu China beschreibt.

Dabei gibt es, kaum verwunderlich, unterschiedliche Intensitätsgrade der Beziehungen. Diese werden bestimmt durch wirtschaftliche Beziehungen, Sicherheitsinteressen, potenzielle Konflikte, und davon, ob andere Länder China etwas bieten können – seien es „Ressourcen, Technologie oder diplomatische Unterstützung bei der UN“ (69).

In Zone 1, der wichtigsten Zone, gibt es nur die USA, „bei weitem Chinas größte außenpolitische Priorität“ (70). Und auch für den Rest der Welt ist diese Beziehung von entscheidender Bedeutung. Denn Probleme wie der Klimawandel, eine Reform der internationalen Finanzstrukturen oder die Armut in den Entwicklungsländern können nur gelöst werden, wenn China und die USA involviert sind. Allerdings, so Brown, sei diese Beziehung „kontaminiert durch Misstrauen, Reizbarkeit und Spannungen“ (75). Gleichzeitig seien beide Länder auf absehbare Zeit gefangen in einer „engen gegenseitigen Abhängigkeit [und] keine der beiden Seiten scheint glücklich damit und arbeitet daran, sich auf lange Sicht vom anderen zu befreien“ (108-109).

Zone 2, insgesamt um die 60 Länder, besteht unter anderem aus einigen Regionalmächten, einigen ASEAN-Mitgliedern und Ländern, die über die Seidenstraßeninitiative mit China verbunden sind. Für die meisten dieser Staaten ist China der größte oder zweitgrößte Handelspartner, sie sind Absatzmärkte für chinesische Güter und teils Lieferanten von Rohstoffen oder Energie.
Für die größten „geopolitische[n] Kopfschmerzen“ in dieser Zone sorgt Chinas maritimes Verhalten im Ostchinesischen und Südchinesischen Meer. Dort geht es um internationales Recht; Streitigkeiten darüber, welche historische Erzählung mehr gilt; Erinnerungen an koloniale Einmischungen und den potentiellen Zusammenstoß zwischen den USA und China. Hinzu kommen internationale Schiedsverfahren, lukrative und wichtige natürliche Ressourcen und die endlos komplexen Beziehungen zwischen China und Taiwan (115).

Zone 3 bildet die EU. Neben wirtschaftlichen Verbindungen ist die Europäische Union vor allem bedeutsam als die „mit Abstand wichtigste Partnerin beim Technologietransfer durch Unternehmen wie Volkswagen oder Siemens und zahlreiche universitäre Verbindungen“ (71).

Zudem weist Brown darauf hin, dass sowohl China als auch die EU auf eine „seltsame Weise“ eine moralische und kulturelle Vision von sich selbst hätten, die mit der Sichtweise der jeweils anderen Seite in Konflikt stehe. Während Europa vor allem auf die Universalität der Menschenrechte poche, verstehe China sich und seine Kultur und Traditionen als etwas sehr Eigenständiges (148). Und eben diese teils konträren Visionen erschwerten den Umgang miteinander.

Zone 4 schließlich beschreibt den Mittleren Osten, Lateinamerika und Afrika. Hier geht es vor allem um Ressourcen und die Unterstützung bei diplomatischen Vorhaben.
Wie sich allerdings die Situation in den letzten Jahren verändert hat, verdeutlicht der Nahe Osten beispielhaft. Mit Blick auf diese Region beschreibt Brown – zur Erinnerung: das Buch wurde 2017 veröffentlicht – vor allem einen „heiklen Balanceakt“, da China zwar aufgrund des Ölreichtums von der Region abhängig sei, man aber gleichzeitig versuche, der lokalen Politik auszuweichen (173). „Die politische Komplexität und die andauernden Konflikte haben die risikoscheue chinesische Führung noch vorsichtiger gemacht, Initiativen [in der Region] zu ergreifen“ (183).

Das erklärt zum Teil auch, warum im März dieses Jahres von einer „echten Sensation“ (Avenarius 2023) die Rede war, als bekannt wurde, dass sich die Erzrivalen Saudi-Arabien und Iran versöhnen wollen und diese Annäherung maßgeblich von Peking initiiert wurde. Welche Auswirkungen der chinesische Vermittlungserfolg haben wird und ob sich in der Region damit tatsächlich eine Verschiebung weg von Washington hin zu Peking vollziehen wird, ist derzeit nicht absehbar (Golkar 2023).

Aufschlussreich waren allerdings die wenig euphorischen Reaktionen im Westen, die verdeutlichen, wie das global immer stärker und immer aktiver werdende China wahrgenommen wird.

China macht Angst, aber ohne China geht es nicht

Diesen Aspekt beschreibt Brown recht ausführlich im aktualisierten Vorwort. Während Chinas grundsätzlicher Blick auf die Welt eine „relativ statische Sache“ sei (ix), hätten Chinas jüngste Entwicklung dazu geführt, dass scheinbar jeder Akteur auf der Weltbühne vor dem Land „Angst zu haben scheint“, dies aber aus teils sehr unterschiedlichen Gründen (xviii).
Für einige, so Brown, sei China eine „existenzielle Bedrohung“: Die schiere Tatsache, dass es so existiert, wie es derzeit existiert und dabei wirtschaftlich erfolgreich ist, sei ein Affront für ihr Weltbild, wonach eine liberale Demokratie der einzig wahre Weg zu Wohlstand und Macht sei (xviii). Anderen wiederum gilt China als Bedrohung aufgrund seiner Eigeninteressen und der mangelnden Fähigkeit, die Welt wirklich zu verstehen und mit der Welt zusammenzuarbeiten (ebenda.).

In diesem Zusammenhang weist der Autor daraufhin, dass der Ansatz des Decoupling, von dem aktuell oft die Rede ist, vielleicht vor 30 oder 40 Jahren funktioniert hätte, heute aber nicht mehr. In einigen technologischen Bereichen, von KI bis Life Sciences, sei China wahrscheinlich schon weiter als seine Herausforderer. Und die Tatsache, dass außerhalb Chinas immer noch einige denken, China leide unter einem intellektuellen Defizit, stellt kein Problem für China dar. Diese Wahrnehmung sei vielmehr ein Problem für diejenigen, die immer geglaubt haben, das Land sei schwach, randständig und leicht auszublenden. China, das macht Brown deutlich, sei nichts mehr von alldem und da dieses Denken aber teilweise noch immer vorherrsche, überrascht und verunsichert es stetig mit seiner Entwicklung (xxiii).

Trotz aller Probleme, Verschiedenheiten und Konflikte bleibe ein Punkt „unumstößlich“ (xxvi): Es ist unmöglich, China auszuschließen, da seine Bedeutung für die globale Wirtschaft, die weltweiten Finanzen und den Umgang mit globalen Problemen, wie dem Klimawandel oder öffentlicher Gesundheit, schlicht und einfach zu groß sei.

Gleichzeitig weist Brown eindrücklich darauf hin, dass die jahrzehntelangen Versuche, das Land durch Austausch und Zusammenarbeit mehr wie den Westen zu gestalten, gescheitert seien – vielmehr werde deutlich, dass China „resolut an seinem System“ festhalte (ebenda). Schließlich, und auch dieser Punkt ist bedenkenswert, macht Brown deutlich, dass der Zusammenbruch des chinesischen Systems, „unabhängig welch ideologische Befriedigung“ das für viele wäre, zu Instabilität und Unsicherheit führen würden, die den gesamten Globus betreffen könnten (ebenda).

Literatur

  • Avenarius, Tomas (2023): „Streitschlichter China“, in: Süddeutsche online, 12. März 2023.
  • Blank, Jörg (2023): „Klartext in Richtung China“, Redaktionsnetzwerk Deutschland, 19. April 2023.
  • Golkar, Saeid (2023): „The Real Motivation Behind Iran’s Deal With Saudi Arabia”, in: Foreign Policy Online, 6. April 2023.
  • Kirchberger, Sarah; Sinjen, Svenja; Wörmer, Nils (Hrsg.) (2022): Russia-China Relations. Emerging Alliance or Eternal Rivals? Springer VS.
  • Kretschmer, Fabian (2023): „Die ,Hexe‘ und der ,Aufrichtige‘: Was von der Leyen und Macron in China erwartet“, Redaktionsnetzwerk Deutschland, 5. April.

 

CC-BY-NC-SA
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Aktuelle Analysen zu strategischen, geopolitischen, wirtschaftlichen, militärischen und sicherheitspolitischen Trends im asiatisch-pazifischen Raum.

International Institute for Strategic Studies (IISS)

 

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