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Thema: Rechtspopulismus und Medien

Spielarten des Antisemitismus und der Hass im Netz
Die Studie „Antisemitismus 2.0“ und ihr Kontext. Ein Essay von Vincent Wolff

neue synagoge ulm197369 640Ob Restaurants, Kultureinrichtungen oder Synagogen: Jüdisches Leben in Deutschland ist wieder sichtbar – aber keineswegs sicher, wie ein zunehmend offener ausgetragener Antisemitismus zeigt. Foto: neue Synagoge in Ulm (Stefan Schweihofer / pixabay)Vor wenigen Wochen stieß die an der TU Berlin unter Leitung von Monika Schwarz-Friesel durchgeführte Langzeitstudie „Antisemitismus 2.0 und die Netzkultur des Hasses“ auf ein breites Medienecho. Vincent Wolff hebt die Besonderheiten dieser Untersuchung hervor, vergleicht sie mit ähnlichen Erhebungen und stellt sie in den Kontext der aktuellen Debatte. Die Studie belegt, dass antisemitische Strömungen im Internet ihre stärkste Verbreitung finden. Entgegen landläufiger Annahmen dominiere auch hier der nicht selten für überwunden geglaubte klassische Antisemitismus in seinen Spielarten. Gängige judenfeindliche Stereotype und Verschwörungstheorien beherrschten den antisemitischen Online-Diskurs. Neben dieser Kernaussage besteht für Vincent Wolff der eigentliche Mehrwert der Studie in der verwendeten Methodik, mit der die verschiedenen Ausprägungen des Antisemitismus (links, rechts, muslimisch, bürgerlich) präzise sichtbar werden. Beispielsweise erweist sich dabei, dass der muslimische Antisemitismus zum größten Teil den klassischen Stereotypen des Judenhasses folgt und sich in einer Symbiose mit israelbezogenem Zionismus zahlreiche religiöse Referenzen zeigen. Dies spreche gegen die populäre These, dass muslimischer Judenhass durch den Nahost-Konflikt zu erklären sei.
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Thema: Digitale Welt

Arbeit transformieren!
Einige Denkanstöße

Cover Arbeit transformierenDas Beschäftigungsmodell in Deutschland wird durch den digitalen Kapitalismus institutionell und kulturell herausfordert. Eine Kommission der Hans-Böckler-Stiftung hat daher nach der „Arbeit der Zukunft“ gefragt und dabei auf verschiedene Problemfelder geblickt. Als das übergreifende Bezugsproblem einer Transformation der Arbeit wird dabei die soziale Ungleichheit deutlich. Diskutiert werden daher Handlungsansätze, die dem Staat bei der Wiederbelebung der sozialen Marktwirtschaft eine Schlüsselrolle zuweisen und für die Gewerkschaften einen stärkeren Einfluss auf die digitale Arbeitswelt fordern.
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Thema: Integrationspolitik in Deutschland

Zwischen dem Willen zur humanitären Hilfe und der Sorge um die Integration
Einstellungen der Bevölkerung zur Aufnahme von Flüchtlingen

19 Eichener Flickr 43242008494 c2ff14b821 zWie fällt das repräsentative Meinungsbild in der deutschen Bevölkerung zu Flüchtlingen und ihrer Zuwanderung aus? Dieser Frage geht Esra Eichener in seiner Studie nach, zur Beantwortung hat er Daten der „Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften“ des Leibniz-Instituts ausgewertet. Demnach sind Empathie, Mitleid und Verständnis mit den Geflüchteten weit verbreitet, doch zugleich werden die kulturellen Unterschiede als groß empfunden. Die Flüchtlingszuwanderung werde nur von etwa einem Drittel der Menschen als insgesamt eher vorteilhaft eingeschätzt; rund die Hälfte verbinde die Aufnahme hingegen mit Nachteilen. Aus ökonomischer Perspektive werde die Flüchtlingszuwanderung mehrheitlich als eine Bürde betrachtet und in kultureller Hinsicht seien die Sorgen ebenfalls groß. Emotionen hält Eichener für zentral im Hinblick auf die Einstellung zu Flüchtlingen. Werde die eigene Lebenslage positiv gesehen, werde der Zuzug eher befürwortet. Islamfeindlichkeit und Bedenken gegenüber den gesellschaftlichen Folgen zählten zu den stärksten Gründen für die Begrenzung oder Ablehnung der Flüchtlingsaufnahme. Es bestehe also ein Dilemma zwischen der Notwendigkeit, humanitär zu helfen, und den Sorgen vor Problemen mit schlecht integrierten Zuwanderer*innen – es sei Aufgabe der Politik, dieses Dilemma zu entspannen.
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Thema: Herausforderung von links

Was ist politischer Extremismus?
Erscheinungen und Interventionen

Die drei Erscheinungsformen des Extremismus – links, rechts, islamistisch – werden in ihrem Erscheinungsbild, ihren inneren Strukturen, ihren Strategien und in ihren gewalttätigen Praktiken gleich unmittelbar zur demokratisch ausgelegten Verfassungsstaatlichkeit bestimmt. Unser Rezensent Arno Mohr hält diese Herangehensweise für nicht ausreichend, zumal so die AfD nur als „Flügelpartei der Rechten“ klassifiziert, DIE LINKE hingegen als linksextrem eingestuft wird. Auch würden verschiedene Protestformen mittels des normativistischen Paradigmas nicht überzeugend analysiert.

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Die Annotierte Bibliografie


Über diese Suche wird der Zugang zur Annotierten Bibliografie der Politikwissenschaft eröffnet, zu finden sind über 40.000 Kurzrezensionen aus dem Zeitraum von 1996 bis 2016. Erfasst ist damit die politikwissenschaftlich relevante Fachliteratur mit deutscher ISBN. Die erweiterte Suche bietet die Möglichkeit, für die eigene Forschungstätigkeit gezielt zu bibliografieren. Zu zahlreichen  ausgewählten Themen aus verschiedenen Politikbereichen sind außerdem Auswahlbibliografien zusammengestellt.

Thema: Integrationspolitik

Klartext zur Integration
Gegen falsche Toleranz

Der Psychologe und Religionskritiker Ahmad Mansour sieht nicht nur die deutsche Gesellschaft für das Gelingen einer Integration von zugewanderten Menschen in der Pflicht, sondern vor allem auch jene selbst – sie müssten bereit sein, manches, was in ihrem Herkunftsland galt, infrage zu stellen und die Werte ihrer neuen Heimat anerkennen. Mansour warnt ausdrücklich vor falsch verstandener Toleranz und benennt diese als Integrationshemmnis. Ein praktisches Beispiel sei die Schulpflicht, die unbedingt durchzusetzen sei. Staat und Gesellschaft sollten eine „Kultur der Inklusion“ fördern.

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