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Thema: Armut im Wohlstand

Armut und das Epizentrum der sozialen Frage
Ein Essay von Thomas Mirbach

Armut flickrDer Zusammenhang zwischen dem Wandel der Arbeitsmarktpolitik und wachsender Armut müsse stärker ins Zentrum der politischen Debatte gerückt werden, mahnt Thomas Mirbach in seinem Essay. Foto: struschi (flickr, Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0)Wie wird über Armut kommuniziert? Ausgehend vom aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung erörtert Thomas Mirbach, welche Bilder von Armut darin entworfen werden und wie sich die Perspektiven im Laufe der Berichterstattung gewandelt haben. Er verweist dabei auch auf die immanenten Grenzen eines ministeriellen Berichts und legt dar, welche Fragen und Problemlagen ausgespart oder vernachlässigt werden. Beispielsweise werden Beziehungen zwischen der starken Zunahme der Einkommensungleichheit und Veränderungen des Arbeitsmarktes nur sehr vorsichtig hergestellt, eine mehrjährige Verfestigung von Armut zwar dokumentiert, aber nicht weiter untersucht. Im Kern mangele es dem Bericht an einer Auseinandersetzung mit den Veränderungen des Arbeitsmarktes. Mirbach ordnet diese in den langfristigen Policy-Wandel der deutschen Arbeitsmarktpolitik ein und macht damit die strukturelle Komponente des Wandels erkennbar. Stichworte dieser Entwicklung sind – unter Verweis auf Robert Castel – die Entkollektivierung und Re-Individualisierung von Arbeitsverhältnissen. Die Ausweitung atypischer Beschäftigungen habe die Tendenz, dass Unsicherheit selbst zur Organisationsform von Arbeit werde. Eine Debatte über Armut, die strukturelle Verteilungsfragen ausklammert, sei daher politisch mindestens naiv.
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Rezension

Politik als Beruf
Eine psychologische Analyse

Gerster Politik als Beruf 40853Was bewegt Menschen, die Politik zum Beruf zu machen? Steht hinter der Entscheidung für die Politik ein zentrales Motiv oder aber „ein Motivcluster mit bewussten und unbewussten, expliziten und impliziten Anteilen“? Dieser Frage geht Florian Gerster, der selbst dreißig Jahre Berufspolitiker war, in seiner empirisch gestützten Dissertation anhand von zehn Fallbeispielen nach. Er geht davon aus, dass Leistung, Anschluss und Macht entscheidende Gründe sind. Das Machtmotiv sei am stärksten ausgeprägt, das Bedürfnis nach sozialem Anschluss hingegen nachrangig.

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Thema: Deutschland im Energiewandel

Die Treiber der gesellschaftlichen Energiewende
Neue Überblicksdarstellungen zur Energiewendeforschung

Die Energiewende sei nicht nur Ausdruck eines ökonomischen Strukturwandels, sondern ebenso Treiber gesellschaftlicher Transformation, schreibt Rezensent Martin Repohl. Denn das Gelingen und die Foto Molgreen Wikimedia Commons Lizenz CC BY SA 30Demonstration „Energiewende nicht kentern lassen!“ im Mai 2014 in Berlin. Foto: Molgreen / Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY-SA 3.0.https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Energiewende-Demo_am_Berliner_Hauptbahnhof.jpgLegitimität der Energiewende hänge auch von ihrer gesamtgesellschaftlichen Akzeptanz ab. Dazu bedürfe es sowohl eines gemeinsam geteilten Wissens über die Auswirkungen der Energiewende als auch einer breiten gesellschaftlichen Partizipation. Genau darum geht es in zwei Publikationen, die zu diesen beiden Aspekten einen Überblick vermitteln. Thomas Unnerstall bietet eine nach Meinung des Autors kompakte und verständliche Einführung in die aktuelle Entwicklung der Energiewende in allen relevanten Sektoren. Einerseits widerlegt er Befürchtungen und Vorurteile, spart andererseits nicht mit Kritik an Ausgestaltungsfehlern. In dem von Lars Holstenkamp und Jörg Radtke edierten Band wird ein profunder disziplin- und themenübergreifender Überblick über die gesellschaftliche Partizipation gegeben, den die Autor*innen des Sammelbandes als einen wesentlichen Faktor für das Gelingen der Energiewende bezeichnen. Beide Publikationen erschließen sachlich und nachvollziehbar das inzwischen unüberschaubare Forschungsfeld und tragen wesentlich zum Verständnis der Energiewende bei, so Repohl.
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Thema: Deutschland im Energiewandel

Nachhaltigkeitssteuerung
Die Schweizer Energiepolitik

Wie lassen sich Gesellschaften zu einer nachhaltigeren Lebensweise bewegen? Sind neue, weniger auf hierarchische Steuerung als auf Partizipation und Selbstregulierung setzende Governanceformen besser geeignet, um eine Nachhaltige Entwicklung zu fördern? Am Beispiel der Schweizer Energiepolitik untersucht der Nachhaltigkeitsforscher Philipp Lange unterschiedliche Modi und Dimensionen von Governance und verdeutlicht deren Stärken und Schwächen. Dabei deuten die Fallstudien nicht darauf hin, dass bestimmte Formen von Governance besser für die Nachhaltigkeitssteuerung geeignet wären als andere.
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Die Annotierte Bibliografie


Über diese Suche wird der Zugang zur Annotierten Bibliografie der Politikwissenschaft eröffnet, zu finden sind über 40.000 Kurzrezensionen aus dem Zeitraum von 1996 bis 2016. Erfasst ist damit die politikwissenschaftlich relevante Fachliteratur mit deutscher ISBN. Die erweiterte Suche bietet die Möglichkeit, für die eigene Forschungstätigkeit gezielt zu bibliografieren. Zu zahlreichen  ausgewählten Themen aus verschiedenen Politikbereichen sind außerdem Auswahlbibliografien zusammengestellt.

Thema: Repräsentation durch Wahlen

Die ideale Minderheitsregierung
Kriterien und Bedingungen

Im Gegensatz etwa zu den skandinavischen Ländern, in denen Minderheitsregierungen gleichsam an der Tagesordnung sind, ist die politische Erfahrung mit dieser spezifischen Regierungsform in Deutschland überschaubar. Im Fachdiskurs gilt sie zumeist als instabil und irrational. Martin Pfafferott beansprucht mit seiner Dissertation, diese vermeintliche Irrationalität zu widerlegen. Anhand von drei Fallstudien untersucht er die Entstehungsbedingungen, Entscheidungsprozesse und Ergebnisse von Minderheitsregierungen, um hieraus die „ideale Minderheitsregierung“ charakterisieren zu können.

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