Hans Joas (Hrsg.)

Vielfalt der Moderne – Ansichten der Moderne

Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag 2012; 204 S.; 12,99 €; ISBN 978-3-596-19474-2
Im Jahr 2008 initiierte der damalige Bundespräsident Horst Köhler die Gesprächsreihe „Vielfalt der Moderne – Ansichten der Moderne“; mit der konzeptionellen Leitung wurde Hans Joas, Professor für Soziologie an der University of Chicago, betraut. Um unterschiedlichen kulturellen Perspektiven ausreichend Stimme zu verleihen, wurden drei Themenfelder in internationaler Besetzung diskutiert: Individuum und Gemeinschaft; menschliche Weisheit und wissenschaftliche Rationalität; Stellenwert von Religionen heute. In seiner Einleitung umreißt Joas in knapper Form die bekannten Schwierigkeiten, die die Verwendung der Kategorie der Moderne charakterisieren. Auf der einen Seite dient sie als politischer Kampfbegriff zur Unterscheidung von (vermeintlich) fortschrittlichen und weniger fortschrittlichen Gesellschaften. Auf der anderen Seite sehen sozialwissenschaftliche Modernisierungstheorien in einer spezifisch westlichen Verbindung politischer, ökonomischer und sozialer Institutionen Kernmerkmale einer universell geltenden Entwicklungslogik. Weil die impliziten normativen Gehalte der unterschiedlichen Konzeptionen nicht kulturunabhängig zu verstehen sind, wird heute eher von multiplen Modernitäten gesprochen. Dann aber, so Joas, stelle sich die Frage, ob diese Idee „nicht nur die Vielfalt, sondern eben auch den gemeinsamen Kern aller Modernität klar und überzeugend zu bestimmen in der Lage ist“ (30). Vor diesem Hintergrund enthält der Band jeweils zwei exemplarische Positionen der drei Diskussionsrunden, die in besonderer Weise kontrastierende Perspektiven vertreten. Rainer Forst verteidigt einen auf das Prinzip des Rechtes auf Rechtfertigung gestützten Fortschrittsbegriff, Ashis Nandy formuliert eine kolonialismuskritische Problematisierung des Fortschrittsdenkens. Jamil Ragep setzt sich mit dem von westlichen Interessen geprägten Bild eines modernitätsfeindlichen Islams auseinander, Julia Tao entwirft eine universalistischen Standards entsprechende Vision des Konfuzianismus. Elísio Macamo problematisiert die vielfach vertretene Sicht einer defizitären afrikanischen Moderne und Heba Raouf Ezzat interpretiert den Islam aus der Perspektive einer transnationalen zivilgesellschaftlichen Öffentlichkeit.
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Rubrizierung: 2.2 | 5.42 | 2.67 | 2.68 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Hans Joas (Hrsg.): Vielfalt der Moderne – Ansichten der Moderne Frankfurt a. M.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37142-vielfalt-der-moderne--ansichten-der-moderne_42605, veröffentlicht am 05.06.2014. Buch-Nr.: 42605 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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