Anke Tresch

Öffentlichkeit und Sprachenvielfalt. Medienvermittelte Kommunikation zur Europapolitik in der Deutsch- und Westschweiz

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2008 (Studien zur Schweizer Politik 1); 301 S.; brosch., 39,- €; ISBN 978-3-8329-3361-6
Phil. Diss. Zürich; Gutachter: H. Kriesi, P. Sciarini. – Die Autorin untersucht den Zusammenhang zwischen Sprachenvielfalt und Öffentlichkeit am Beispiel der schweizerischen Europapolitik. Sie unterstreicht, dass die Schweiz wegen ihrer Sprachenvielfalt häufig als symbolisch für Europa gelte und zitiert in diesem Zusammenhang den Schweizer Politologen Kriesi, der in ihr sogar eine „Art Europa im Taschenformat“ (14) sehe. Die Autorin hebt mit Blick auf die Schweiz vor allem die sprachregional bestimmte Struktur des Mediensystems hervor. Dieses unterteile sich analog zur Lingualität in vier Sub-Systeme. Tresch fragt nun, ob Sprachenvielfalt zwingend in eine Segmentierung der Öffentlichkeit mündet. Dabei differenziert sie zwischen Mediensystem und Öffentlichkeit. Auf der Basis ihrer empirischen Analyse kommt sie zu dem Ergebnis, dass trotz gewisser Spezifika des jeweiligen Sprachraums die Debatten zum Thema Europa starke Gemeinsamkeiten aufwiesen bzw. sogar parallel geführt würden. Diese Beobachtung führt sie auf den von Volksabstimmungen und europapolitischen Initiativen bestimmten politischen Entscheidungszyklus zurück. Der entscheidende Einflussfaktor sei also die direkte Demokratie. Dies treffe auch dann zu, wenn die europapolitischen Kampagnen in den verschiedenen Landesteilen unterschiedliche Dynamiken aufwiesen. Abschließend versucht Tresch ihre Untersuchungsergebnisse auf die EU zu übertragen. Sie mutmaßt, dass direkt-demokratische Abstimmungen nach schweizerischem Vorbild der Legitimität und Demokratisierung der EU nicht unbedingt nützen würden, da vieles von der verfassungsrechtlichen Ausgestaltung der Volksentscheide abhänge. In Bezug auf die EU sieht sie in Volksentscheiden kein ausreichendes Instrument zur Behebung des Demokratiedefizits. Dennoch könnten von der Schweiz interessante Denkanstöße für die Einführung europaweiter Referenden ausgehen.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.5 | 2.22 | 4.22 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Anke Tresch: Öffentlichkeit und Sprachenvielfalt. Baden-Baden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29488-oeffentlichkeit-und-sprachenvielfalt_34911, veröffentlicht am 25.11.2008. Buch-Nr.: 34911 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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