Jens Eisfeld

Liberalismus und Konservatismus. Die US-amerikanische Diskussion um die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen durch Gerichtsurteil

Tübingen: Mohr Siebeck 2006; X, 167 S.; brosch., 39,- €; ISBN 978-3-16-148996-9
Die politische Diskussion um die Eheschließung gleichgeschlechtlicher Paare in den USA wird seit nun bereits 16 Jahren vom Gang durch die rechtlichen Instanzen auf Staaten- und Bundesebene begleitet. Im Zentrum der juristischen Auseinandersetzung steht die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe durch Richterentscheidung. Der Widerstreit juristischer Argumente spielt sich dabei vor dem Hintergrund der gegensätzlichen politischen Positionen und Ansichten ab. Während liberale Befürworter der gleichgeschlechtlichen Ehe deren Verbot als verfassungswidrige Diskriminierung ansehen, halten konservative Gegner sie für einen Verstoß gegen traditionelle Gebote und Maßstäbe. Eisele interpretiert in seiner Arbeit den juristischen Kampf als Widerstreit zwischen konservativer und liberaler Rechtsphilosophie. Seine Analyse erfolgt in vier Schritten: Zunächst gibt er einen Überblick über die Inhalte liberaler und konservativer Theorie in den USA, um im zweiten Schritt zu prüfen, wie sich diese Inhalte im jeweils typischen Verfassungsverständnis manifestieren. Nach kurzer Darstellung der zentralen Verfassungsgrundsätze – Gleichbehandlung und substantive due process – weist Eisele liberale und konservative Argumentationsmuster in einschlägigen Urteilen des Supreme Court nach und überträgt die Argumente auf die Diskussion um die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe durch Gerichtsurteil. Die Auswirkung der Rechtsprechung auf die Diskussion um die gleichgeschlechtliche Ehe wird am Beispiel des Urteils des höchsten Gerichts von Massachusetts zum Fall Goodridge vs. Department of Public Health dokumentiert. Im vierten und letzten Abschnitt diskutiert der Autor die liberalen und konservativen Auffassungen von individueller Freiheit und die Rolle der Moralphilosophie im Kontext der Verfassungsinterpretation und erörtert die sich daraus ergebenden Konsequenzen für den Gesetzgeber.
Stefan Göhlert (SG)
M. A., Politikwissenschaftler, Protokollchef und Bürgerbeauftragter in der Verwaltung der Stadt Jena.
Rubrizierung: 2.64 | 2.21 | 2.23 Empfohlene Zitierweise: Stefan Göhlert, Rezension zu: Jens Eisfeld: Liberalismus und Konservatismus. Tübingen: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/26296-liberalismus-und-konservatismus_30625, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 30625 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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