Lotte Frach

Finanzaufsicht in Deutschland und Großbritannien. Die BaFin und die FSA im Spannungsfeld der Politik

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008; 160 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-531-15673-6
Nationale, historisch gewachsene Strukturen zur Regulierung der Finanzmärkte bzw. ihrer einzelnen Sektoren wurden seit Ende der 90er-Jahre in zahlreichen Ländern durch das Modell der Allfinanzaufsicht abgelöst. Der 1997 geschaffenen britischen „Financial Services Authority“ (FSA) wird hierbei eine Vorbildfunktion für Deutschland und andere Staaten zugeschrieben. Die Autorin fragt, inwiefern die FSA und die 2002 gegründete deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sich angesichts divergierender politischer, rechtlicher und ökonomischer Rahmenbedingungen tatsächlich ähneln. Für ihre Vergleichsstudie berücksichtigt Frach sowohl die Mikroebene der institutionellen Gestaltung als auch die Makroebene der Einbettung der beiden Aufsichten in ihr jeweiliges nationales Regulierungssystem. Untersucht werden Aufbau und Arbeitsweise sowie die Stellung der beiden Institutionen im Machtgefüge der staatlichen Akteure und ihre Interaktionen mit den zu beaufsichtigenden Marktteilnehmern. Als theoretische Folie dient ihr die politikwissenschaftliche Diskussion um Divergenz und Konvergenz. Die Konvergenzthese, wonach Nationalstaaten im Zuge der Globalisierung ihre Regulierungssysteme immer stärker aneinander angleichen müssen, um im internationalen Standortwettbewerb bestehen zu können, lässt sich mit dieser Studie nicht uneingeschränkt bestätigen. Zwar seien in Deutschland und Großbritannien konvergente Entwicklungen in der Finanzmarktaufsicht erkennbar, doch könne nicht zuletzt wegen der großen Unterschiede in der Ausgestaltung der beiden Aufsichtsmodelle nicht von einer umfassenden Konvergenz gesprochen werden. Darüber hinaus hätten zwar die internationalen Marktentwicklungen die Entscheidung für ein integriertes Aufsichtsmodell begünstigt, doch „[d]ie Staaten selbst haben Konvergenzen in der Finanzaufsicht in internationalen und europäischen Gremien vorangetrieben“ (142). Insgesamt, so das Fazit der Autorin, lasse sich die in anderen Studien zu findende Annahme einer Mischung aus konvergenten und divergenten Entwicklungen bestätigen.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.262 | 2.61 | 2.342 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Lotte Frach: Finanzaufsicht in Deutschland und Großbritannien. Wiesbaden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/28444-finanzaufsicht-in-deutschland-und-grossbritannien_33509, veröffentlicht am 09.05.2008. Buch-Nr.: 33509 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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