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Imagepolitik im olympischen Wettstreit

Eva Maria Gajek

Imagepolitik im olympischen Wettstreit. Die Spiele von Rom 1960 und München 1972

Göttingen: Wallstein Verlag 2013 (Geschichte der Gegenwart 7); 559 S.; geb., 48,- €; ISBN 978-3-8353-1196-1
Diss. Gießen; Begutachtung: F. Bösch, F. Becker. – Ob 2008 in Peking oder vor Sotschi 2014: Vergangene wie aktuelle Debatten zeugen davon, dass es bei den Olympischen Spielen stets um mehr geht als nur um Sport. Den historischen Nachweis hierzu führt die Zeit‑, Medien‑ und Kulturhistorikerin Eva Maria Gajek in ihrer komparativen Untersuchung der Olympischen Spiele von Rom (1960) und München (1972). Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach der Instrumentalisierung der Spiele für die Imagepolitik und Selbstdarstellung durch die ehemaligen Achsenmächte Deutschland und Italien. Zu diesem Zweck folgt die Autorin chronologisch den verschiedenen Akten der Inszenierung der Olympischen Spiele, die von den Bewerbungen, Planungen und Vorbereitungen über die Eröffnungsfeier und eigentlichen Wettkämpfe bis hin zur Abschlussfeier führen. Gajek fragt dabei nicht nur nach dem „Wie“, sondern auch nach den Fixpunkten der identitären Neuausrichtung, den Brüchen und Kontinuitäten in den Denkmustern sowie den Traditionen und Ritualen der Spiele. Dabei zeichnet die Autorin das Zusammenspiel der auf diesen Prozess einwirkenden Akteure nach, zu denen neben der Politik, dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und den jeweiligen nationalen Olympischen Komitees (OKs) vor allem auch die Medien gezählt werden. Gajek zufolge gab das Großereignis der Olympischen Spiele aufgrund seines transnationalen Charakters und seiner Eigenschaft als „Ort der nationalen Selbstdarstellung“ (8) den jungen Demokratien Deutschland und Italien die Chance der „Reformulierung nationaler Identität“ (10). Die Staaten erhielten somit die Möglichkeit, sich nach außen und sich selbst gegenüber als politisch und wirtschaftlich gewandelt, souverän und friedliebend zu präsentieren. Die Massenmedien haben der Autorin nach das eigentliche Sportereignis hierbei zu einem von Ritualen und Symboliken geprägten „Medienereignis Olympische Spiele“ (360) gemacht, weshalb – so ihr Argument – die „Geschichte der Olympischen Spiele […] nicht von der Geschichte ihrer Medialität getrennt werden [kann]“ (53). Worum ging und geht es also – damals und heute – bei den Olympischen Spielen? Die Antwort, die diese Studie nahelegt, lautet: „Es geht um eine Inszenierung der eigenen Nation, es geht um Akzeptanz und Anerkennung, es geht um die Arbeit am eigenen Image.“ (500)
Christian Patz (CPA)
M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 2.22 | 2.333 | 2.313 | 2.61 | 2.23 | 2.24 | 4.1 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Eva Maria Gajek: Imagepolitik im olympischen Wettstreit. Göttingen: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36707-imagepolitik-im-olympischen-wettstreit_44833, veröffentlicht am 06.02.2014. Buch-Nr.: 44833 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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