Portal für Politikwissenschaft

Bildungsreformen und soziale Ungleichheiten in Lateinamerika

Stefan Peters

Bildungsreformen und soziale Ungleichheiten in Lateinamerika. Kontinuität im Wandel in Venezuela und Uruguay

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013 (Studien zu Lateinamerika 21); 412 S.; brosch., 64,- €; ISBN 978-3-8487-0024-0
Diss. Kassel; Begutachtung: H.‑J. Burchardt, B. Overwien. – Stefan Peters geht mit Blick auf die als Fallstudien herangezogenen Länder Venezuela (1999 bis 2012) und Uruguay (2005 bis 2012) der Frage nach, inwiefern dort unter linksgerichteten Regierungen implementierte Reformen im Bildungssektor tatsächlich zu einer Verminderung sozialer Ungleichheit beigetragen haben. Damit nimmt Peters Bezug auf vier verschiedene politik‑ beziehungsweise sozialwissenschaftlich einschlägige Analysestränge; als eine vergleichend angelegte entwicklungs‑ und bildungspolitisch akzentuierte Politikfeldanalyse will die Studie zudem einen Beitrag zu den Area Studies liefern. Ausgehend von einer an der Soziologie Pierre Bourdieus ausgerichteten, problemorientierten Definition des Zusammenhangs von Bildung und sozialer Ungleichheit erfolgt eine – nach Ländern getrennte – Erhebung der jeweiligen Bildungssysteme vor ihrem sozio‑ökonomischen, historischen und kulturellen Kontext. Die Erhebung fokussiert die in den oben genannten Zeiträumen erfolgten bildungspolitischen Reformen und fußt dabei – was die Materiallage anbelangt – zu einem großen Teil auf Einzel‑ oder Gruppeninterviews mit am Bildungsprozess Beteiligten – von (ehemaligen) Ministern über Funktionäre im Bildungsbereich bis hin zu aktiven Lehrkräften an Schulen und Universitäten. Dabei konstatiert Peters, dass die in den zurückliegenden bildungspolitischen Reformen angestrebte, um eine immer stärkere Inklusion insbesondere auch sozial benachteiligter Bevölkerungsschichten bemühte Agenda in beiden Staaten bei Weitem nicht ausreicht, um die bestehenden sozialen Ungleichheiten signifikant auszugleichen. Die einfache Gleichung, so Peters, wonach vermehrte Anstrengungen in der Bildungspolitik gleichsam zu einer sozialpolitischen Dividende führten und soziale Ungleichheiten abbauten, stimme – zumindest mit Blick auf die untersuchten Staaten – nicht.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.65 | 2.263 | 2.262 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Stefan Peters: Bildungsreformen und soziale Ungleichheiten in Lateinamerika. Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36015-bildungsreformen-und-soziale-ungleichheiten-in-lateinamerika_43924, veröffentlicht am 01.08.2013. Buch-Nr.: 43924 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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