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"Frauenfragen sind Menschheitsfragen"

Sylvia Heinemann

"Frauenfragen sind Menschheitsfragen" Die Frauenpolitik der Freien Demokratinnen von 1945 bis 1963

Königstein/Ts.: Ulrike Helmer Verlag 2012; 496 S.; pb., 49,95 €; ISBN 978-3-89741-337-5
Geschichtswiss. Diss. Göttingen; Begutachtung: G. J. Trittel, H.-G. Marten. – Die Autorin legt eine hochinteressante Studie zur Frauenpolitik der Nachkriegszeit vor. Die zwei besonderen Stärken der Arbeit sind, dass Heinemann die Politikerinnen der FDP als Gruppe in den Blick nimmt und es ihr darüber hinaus gelingt, die Frauenpolitik der Freien Demokratinnen in vergleichender Perspektive zu den Positionen von CDU und SPD darzustellen. Die Ausgangsfrage lautet dabei, welchen Anteil die FDP-Politikerinnen durch ihre Politik und ihren individuellen Einsatz an der Verwirklichung der Gleichberechtigungsverpflichtung beim Aufbau demokratischer Strukturen hatten. Als Motivation, um sich politisch zu engagieren, stellt Heinemann die Erfahrungen von Entrechtlichung in der NS-Zeit heraus. Das zentrale Argument für die eingeforderte staatsbürgerliche Gleichberechtigung von Frauen im zeitgenössischen Diskurs ist „der Verweis auf die Arbeitsleistungen der Frauen bei der Aufbauarbeit“ (221). Darüber hinaus wurde aber auch argumentiert, dass Frauen für ihr politisches Engagement eine spezifische Friedensorientierung und soziale Einfühlsamkeit mitbrächten. Dieser Unterschied sei allerdings nicht auf das biologische Geschlecht, sondern sozial bedingt auf die unterschiedliche Alltagswirklichkeit von Männern und Frauen zurückgeführt worden, so die Autorin. In der Arbeit wird deutlich, dass die Politikerinnen der Adenauer-Zeit in erstaunlich hohem Maße über Parteigrenzen hinweg gearbeitet und derart entscheidene Erfolge in Fragen der Berufstätigkeit, der Teilzeitarbeit oder der Reform des BGB erreicht haben. Die Freien Demokratinnen erwiesen sich gegenüber der eigenen Partei als besonders streitbar und stimmten häufig gegen die FDP-Männer, aber mit den Männern und Frauen der SPD. Überhaupt betont Heinemann „die Radikalität ihrer Kritik an Gleichberechtigungsdefiziten in der eigenen Partei“ (394). An dieser Stelle konstatiert die Autorin auch, dass „der Begriff der Leistung als Kriterium zur Schaffung gleichberechtigter Partizipationschancen“ (395) versagt habe.
Sabine Steppat (Ste)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.36 | 2.331 | 2.313 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Sylvia Heinemann: "Frauenfragen sind Menschheitsfragen" Königstein/Ts.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35111-frauenfragen-sind-menschheitsfragen_42259, veröffentlicht am 09.08.2012. Buch-Nr.: 42259 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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