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Theorien alternativen Wirtschaftens

Gisela Notz

Theorien alternativen Wirtschaftens. Fenster in eine andere Welt

Stuttgart: Schmetterling Verlag 2011 (theorie.org); 185 S.; brosch., 10,- €; ISBN 978-3-89657-660-7
Ein geschlossenes Theoriemodell alternativer Ökonomie existiert ebensowenig wie eine einheitliche Definition alternativen Wirtschaftens: „Man kann alternative Wirtschaft als Alternativökonomie, Solidarische Ökonomie, Lokale Ökonomie, Moralische Ökonomie, Gemeinwesenökonomie oder auch Gegenökonomie oder Gegenkultur bezeichnen. Die Vorstellungen, die sich hinter den Begriffen verbergen, sind so unterschiedlich wie die Begriffe selbst und zum Teil auch ebenso gegensätzlich.“ (27) Durch dieses unüberschaubare Dickicht von Ideen, Ansätzen und Konzepten über ein anderes, besseres Leben jenseits von Ausbeutung, Umweltzerstörung und Wachstum um jeden Preis liefert Notz einen kompakten und gut strukturierten Wegweiser. Nach einer einleitenden Kritik am engen Arbeitsbegriff und weiteren begrifflichen Klärungen erfolgt eine chronologische Darstellung und kritische Würdigung theoretischer Zugänge zur alternativen Ökonomie. Diese reichen von utopischen, anarchischen und sozialistischen Gesellschaftsentwürfen seit dem 16. Jahrhundert über Theorien der 60er- und 70er-Jahre bis zu aktuellen Konzepten wie beispielsweise der Gemeinwesenökonomie. Auch geht Notz auf Erfahrungen mit der Umsetzung alternativer Vorstellungen in die Praxis ein. Beispiele sind die selbstverwalteten Betriebe, die ihre Hochzeit in den 70er- und 80er-Jahren hatten, aber auch aktuelle Projekte wie Tauschringe und Umsonstläden. Zudem ist ein Abschnitt den Kommunenbewegungen gewidmet. Notz thematisiert in den einzelnen Kapiteln auch die Kritik an den jeweiligen Ansätzen wie die Tendenz der Selbstausbeutung, oder den Vorwurf, Alternative würden sich in ihrer Nische einrichten und sich der notwendigen Konfrontation mit der gesellschaftlichen Realität entziehen. Die damit angesprochene grundsätzliche Frage nach Reform oder Revolution werde auch heute immer wieder diskutiert, doch helfe der Vorwurf, die alternative Ökonomie sei gescheitert, habe nichts bewirkt und werde vom kapitalistischen System vereinnahmt, so Notz, nicht weiter: „Trotz vieler Schwierigkeiten kann alternative Ökonomie geeignet sein, das ökonomische Denken insgesamt zu erweitern und anders zu denken, hin zu einer ‚Ökonomie des Lebens’, für die Ökonomie mehr ist, als die Lehre vom Geldverdienen und Geldverlieren.“ (168)
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.45 | 2.331 | 2.36 | 2.313 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Gisela Notz: Theorien alternativen Wirtschaftens. Stuttgart: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32282-theorien-alternativen-wirtschaftens_38525, veröffentlicht am 01.06.2011. Buch-Nr.: 38525 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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