Portal für Politikwissenschaft

Soziale Lebenslaufpolitik

Gerhard Naegele (Hrsg.)

Soziale Lebenslaufpolitik

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010 (Sozialpolitik und Sozialstaat); 776 S.; brosch., 69,95 €; ISBN 978-3-531-16410-6
Klassische Sozialpolitik bot kollektive Sicherungen gegenüber Risiken – seien es allgemeine Lebensrisiken, seien es Arbeitnehmerrisiken –, die weitgehend als standardisierbar galten und deshalb der Zuständigkeit spezifischer Fachpolitiken überantwortet wurden. In erster Linie haben Modernisierungsprozesse der Ökonomie und des Arbeitsmarktes, verstärkt durch Folgen der demografischen Entwicklung, dieses Schema obsolet werden lassen. Das betrifft einerseits den Risikobegriff – angesichts zunehmender Individualisierung und De-Standardisierung von Erwerbs- und Bildungsverläufen sollen (sozial-)politische Interventionen Individuen dazu befähigen, mit Risiken umgehen zu können. Eine derartig präventive Ausrichtung von Programmen lässt sich andererseits nicht mehr im Rahmen von nach Ressortzuständigkeiten differenzierten Fachpolitiken sinnvoll verfolgen und sie muss überdies Risiken in den Blick nehmen, die mit verschiedenen Lebensphasen verbunden sind. Seit Längerem wird deshalb in unterschiedlichen Forschungszusammenhängen über das Konzept einer sozialen Lebenslaufpolitik debattiert, die „gleichzeitig darauf abzielt, ArbeitnehmerInnen bzw. BürgerInnen in die Lage zu versetzen, Erwerbsarbeit und andere sinnvolle Aktivitäten – wie Fürsorgearbeit – zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben zu synchronisieren sowie zugleich vielfältige Präferenzen und Entscheidungen über den Lebenslauf zu verteilen" (55). Die Autoren nehmen eine Zwischenbilanz dieser Debatte vor und greifen unter der Lebenslaufperspektive Ansatzpunkte in der Familien-, Gender-, Gesundheits-, Pflege-, Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik auf. Nicht zuletzt mit Blick auf die demografischen Risiken erhält das Thema sozialer Altenpolitik – einschließlich des neuen Konzeptes des „active ageing“ – besonderen Stellenwert.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.342 | 2.343 | 2.35 | 2.325 | 2.331 | 2.61 | 2.64 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Gerhard Naegele (Hrsg.): Soziale Lebenslaufpolitik Wiesbaden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31760-soziale-lebenslaufpolitik_37850, veröffentlicht am 11.05.2010. Buch-Nr.: 37850 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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