Portal für Politikwissenschaft

Soziale Bewegung und politische Emanzipation

Peter Brandt

Soziale Bewegung und politische Emanzipation. Studien zur Geschichte der Arbeiterbewegung und des Sozialismus. Zum 60. Geburtstag von Peter Brandt hrsg. von Wolfgang Kruse, Eva Ochs und Arthur Schlegelmilch

Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2008 (Politik- und Gesellschaftsgeschichte 80); 544 S.; hardc., 48,- €; ISBN 978-3-8012-4184-1
Die Herausgeber haben Beiträge gebündelt, in denen sich der Historiker Brandt, Professor an der FernUniversität Hagen, mit der Arbeiterbewegung und dem Sozialismus sozialgeschichtlich beschäftigt. Die fachwissenschaftlichen Beiträge und populärwissenschaftlichen Darstellungen, die meist zuvor an anderer Stelle schon veröffentlicht wurden, sind seit den 70er-Jahren entstanden. Der große politische und gesellschaftliche Umbruch zu Beginn des 20. Jahrhundert steht am Anfang der Betrachtungen, das erste Kapitel ist der Deutung der Novemberrevolution gewidmet. In den Beiträgen des zweiten Kapitels geht Brandt auf die Auseinandersetzung der deutschen Arbeiterbewegung mit dem Nationalsozialismus ein. Es folgen weitere Kapitel zum Beitrag der Arbeiterbewegung zur politischen und gesellschaftlichen Neuordnung nach 1945 und zur Haltung zur nationalen Frage – beginnend wieder mit den Anfängen, diesmal im 19. Jahrhundert. Den Abschluss dieser Festschrift bilden Beiträge über die deutsche Arbeiterbewegung und die politische Linke im internationalen Kontext, auch hier schlägt Brandt wieder den Bogen vom 19. ins 20. Jahrhundert. Im letzten, erstveröffentlichten Beitrag über „‚1968’ – eine radikale Demokratisierungsbewegung“ bindet der Historiker seine eigene Politisierung kritisch in die Deutung der Ereignisse ein. Herausgekommen ist dabei eine klare Analyse, in der Brandt sowohl auf die protestantischen Wurzeln des Protestes (nicht nur bei Rudi Dutschke) eingeht als auch auf den Generationenaspekt: Die Studenten, die der Bewegung das Gesicht gaben, stellten keineswegs die Mehrzahl der Protestierer – wohl aber war die Mehrheit, gegen die der Staat ermittelte, zwischen 19 und 25 Jahre alt. Brandt bescheinigt den Protesten, eine Schubkraft „zu Gunsten von sozialem Engagement, Fortschrittsorientierung und Reformbereitschaft“ (530) ausgeübt zu haben und die junge Intelligenz nachhaltig nach links politisiert zu haben – was insgesamt für den immer auch politisch denkenden Historiker Brandt durchaus ein Erfolg ist.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 1.3 | 2.331 | 2.311 | 2.313 | 2.315 | 2.35 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Peter Brandt: Soziale Bewegung und politische Emanzipation. Bonn: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30664-soziale-bewegung-und-politische-emanzipation_36418, veröffentlicht am 19.08.2009. Buch-Nr.: 36418 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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