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Jahrbuch für Politik und Geschichte. Band 1: Historische Gerechtigkeit. Geschichtspolitik im Vergleich

Claudia Fröhlich / Horst-Alfred Heinrich / Harald Schmid (Hrsg.)

Jahrbuch für Politik und Geschichte. Band 1: Historische Gerechtigkeit. Geschichtspolitik im Vergleich

Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2010 (JPG 2010); 256 S.; 52,- €; ISBN 978-3-515-09824-3
Max Weber hat 1922 den Begriff der politischen Erinnerung geprägt und bezeichnete damit den argumentativen Rückgriff auf die Geschichte zu Zwecken der Rechtfertigung und Legitimation, zur Selbstdarstellung wie zum Selbstverständnis und zur Sinnstiftung. Das schließt das Erinnern und Vergessen ein. Dass jetzt am Schnittpunkt von Geschichtswissenschaft, Soziologie und Politikwissenschaft ein Jahrbuch ins Leben gerufen wurde, das sich dem historischen Gedächtnis und der Erinnerungskultur widmet, schließt eine entsprechende Lücke. Herausgeber sind die Politikwissenschaftlerin Fröhlich, der empirische Sozialforscher Heinrich und der Zeithistoriker Schmid. Das garantiert den notwendigen disziplinverbindenden Ansatz. Im ersten Band 2010 ist dieses Anliegen prototypisch umgesetzt. Im Zentrum steht die Kategorie der historischen Gerechtigkeit. Sie wird an ganz unterschiedlichen Konkretionen entfaltet: an der Shoah, dem Stalinismus, der französischen Kolonialpolitik der Fünften Republik (Algerien) und dem Vietnamkrieg. Die damit aufgegriffenen Debatten öffnen prototypische Problemfelder: „Opfer und Täter, Schuld und Verantwortung, Bestrafung und ‚Wiedergutmachung’, Verdrängen, Erinnern, Vergessen, Wahrheit und Versöhnung.” (7) Eine zweckmäßige Ergänzung finden die Beiträge des Schwerpunktthemas durch drei Rubriken: Aktuelles Forum (Personelle Kontinuitäten in den neuen Bundesländern nach 1989), Fundstücke (Zweitpublikation von verstreuten, aber problemrelevanten Beiträgen, hier aus der Zeitschrift iz3w), schließlich Forschungsberichte (in diesem Band einer Sammelrezension von 17 Neuerscheinungen der Jahre 2007 bis 2009 zum Themenbereich Geschichtspolitik und Erinnerungskultur). Fazit: Das Jahrbuch für Politik und Geschichte (JPG) ist ein Projekt, dem nachhaltige Resonanz zu wünschen ist.
Klaus Kremb, Dr., Oberstudiendirektor, Wilhelm-Erb-Gymnasium Winnweiler, Lehrbeauftragter, Fachgebiet Politikwissenschaft, TU Kaiserslautern.
Rubrizierung: 2.23 | 2.22 | 2.35 | 2.315 | 2.62 | 2.64 | 2.67 | 2.68 Empfohlene Zitierweise: Klaus Kremb, Rezension zu: Claudia Fröhlich / Horst-Alfred Heinrich / Harald Schmid (Hrsg.): Jahrbuch für Politik und Geschichte. Band 1: Historische Gerechtigkeit. Geschichtspolitik im Vergleich Stuttgart: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/21654-jahrbuch-fuer-politik-und-geschichte-band-1-historische-gerechtigkeit-geschichtspolitik-im-vergleich_40664, veröffentlicht am 16.06.2011. Buch-Nr.: 40664 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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