Portal für Politikwissenschaft

Minenfeld Balkan

Olaf Ihlau / Walter Mayr

Minenfeld Balkan. Der unruhige Hinterhof Europas

München: Siedler Verlag 2009; 304 S.; Ln., 22,95 €; ISBN 978-3-88680-916-5
Nach 1990 tobte auf dem Balkan der blutigste Konflikt des europäischen Kontinents seit dem Zweiten Weltkrieg und noch immer ist die Region nach Schilderung der Autoren nur äußerst oberflächlich befriedet. Ihlau und Mayr machen eine sich verschärfende Rivalität zwischen Russland und den USA aus, die für neue Spannungen in der Region sorgen können, hinzu kommen organisierte Kriminalität, Islamisierung und ein Europa, das „der immer neuen Aspiranten erkennbar müde geworden ist“ (7). Die Schilderung des Unabhängigkeitsprozesses des Kosovos stellen die Autoren unter die Überschrift „Europas Sündenfall“ (71). Im Kosovo gedeiht das organisierte Verbrechen, es ist ein wichtiger Umschlagplatz für Waffen- und Drogenhandel, trotz der UNO-Mission im Kosovo (UNMIK) sowie der EU-Mission (Eulex). Die Autoren beschreiben das Kosovo als einen „Marionettenstaat und Milliardengrab unter EU-Aufsicht“ (74), der von Ex-Guerillias regiert werde. Sie zitieren eine Studie des Europäischen Instituts für Politik im Auftrag der Bundeswehr, nach der den ausländischen Beamten neben Bereicherung auch „groteske Realitätsverweigerung“ infolge „politisch verordneten Erfolgsdrucks“ (76) vorgeworfen wird. Montenegro hingegen wird als russisches Protektorat geschildert, seine Einwohner vom Autorenduo reichlich polemisch als „ihrem Naturell nach nicht besonders schaffensfroh“ (210) charakterisiert. Den Staat selbst führe der mit der Unterwelt ganz offenkundige verflochtene Milo Djukanovic wie seine Privatranch. So plakativ viele Formulierungen der beiden Autoren auch sein mögen, sie unterlegen die meisten ihrer Behauptungen mit Zahlenmaterial, insbesondere ihre Ausführungen zur Kriminalität und Geldwäsche müssen international Besorgnis erregen. Kritisch beleuchten Ihlau und Mayr auch die deutsche Rolle beim Zerfall Jugoslawiens. Die deutsche Anerkennungspolitik gegenüber Slowenien und Kroatien sehen sie im Kontext einer Strategie der „Internationalisierung des Konflikts“ (276), die notfalls auch den Kriegsfall unbekümmert in Kauf nahm.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.61 | 2.25 | 4.41 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Olaf Ihlau / Walter Mayr: Minenfeld Balkan. München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/9094-minenfeld-balkan_36846, veröffentlicht am 28.01.2010. Buch-Nr.: 36846 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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