Portal für Politikwissenschaft

Für eine bessere gesamteuropäische Wirtschaftspolitik

Harald Hagemann / Jürgen Kromphardt (Hrsg.)

Für eine bessere gesamteuropäische Wirtschaftspolitik

Marburg: Metropolis-Verlag 2015 (Schriften der Keynes-Gesellschaft 8); 324 S.; 36,80 €; ISBN 978-3-7316-1121-9
Euro und Europa in der Krise – für die Herausgeber ist die institutionelle Gestaltung und Ausrichtung der europäischen Wirtschaftspolitik daher dringend reformbedürftig. Das Buch basiert auf der neunten Jahrestagung der Keynes‑Gesellschaft, die 2014 an der TU‑Darmstadt stattfand. Der Verein, der auch Reihenherausgeber des Tagungsbandes ist, hat das Ziel, die Verbreitung des Keynesianismus zu fördern und dies besonders in der akademischen Welt, da er dort unterrepräsentiert sei. Erik Klär widmet sich in seinem Beitrag den sogenannten Potenzialeinschätzungen der EU‑Kommission. Diese zielten darauf ab, „beobachtbare makroökonomische Größen um das Auf und Ab konjunktureller Schwankungen zu bereinigen“ (85). Die Potenzialeinschätzungen würden öffentlich kaum wahrgenommen und in ihrer enormen Bedeutung für die Analyse der europäischen Wirtschaftspolitik stark unterschätzt. Folglich werde der strukturelle Konsolidierungsbedarf überschätzt und mit falschen Maßnahmen, insbesondere einem Vorantreiben von Haushaltskonsolidierungen, die wirtschaftliche Lage noch weiter verschlechtert. Eine in Brüssel geplante Änderung der Berechnungsmethodik habe nach Widerstand aus Deutschland nicht durchgesetzt werden können. Klär plädiert abschließend für „eine kräftige Ausweitung der realwirtschaftlichen Investitionstätigkeit“ (126). Ingo Bahrens und Volker Caspari weisen in ihrem Beitrag auf „die Grenzen einer auf Zinssteuerung vertrauenden Geldpolitik“ (250) hin. Während die EZB heute etwa auf höhere Inflationsraten setze, habe Keynes, obwohl er hier oft missverstanden worden sei, Inflation „als ein konfiskatorisches Instrument, mit dem sich Regierungen den Zugriff auf das Vermögen ihrer Staatsbürger sichern können“ (255), gesehen. Inflation habe ihm als heimlicher Betrug am Bürger und als soziales Gift gegolten. Folglich ziehen die Autoren das Fazit, die Inflation müsse im Zusammenhang mit der Eurokrise nicht als Instrument, sondern als Problem gesehen werden.
Wolfgang Denzler, Diplom-Journalist, B. A., Politikwissenschaftler, M. Sc., Nachhaltigkeitswissenschaftler.
Rubrizierung: 2.2623.33.52.612.42.2612.22 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Harald Hagemann / Jürgen Kromphardt (Hrsg.): Für eine bessere gesamteuropäische Wirtschaftspolitik Marburg: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39695-fuer-eine-bessere-gesamteuropaeische-wirtschaftspolitik_48110, veröffentlicht am 19.05.2016. Buch-Nr.: 48110 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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