Portal für Politikwissenschaft

Die Frage nach der Freiheit

Klaus Hammacher

Die Frage nach der Freiheit

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2015; 557 S.; 129,- €; ISBN 978-3-8487-2177-1
Dass Menschen sich in immer komplexeren und auch hierarchischen politischen Strukturen zusammenfinden, bedingt seit jeher die Frage nach den Folgen für das Individuum. Insofern zielt das akademische Interesse vor allem auf die Mechanismen von Macht, Herrschaft, Krieg oder Frieden, gelten diese doch als markante Bestimmungsfaktoren der menschlichen Existenz. Den sich daraus herleitenden Zielkonflikten ist gemein, dass sie in ihren Ausprägungen und Schnittmengen politische Ideologien grundieren und bis in die Verrechtlichung des sich seit der Frühmoderne konstituierenden Nationalstaates hinein wirksam sind. Eine zentrale Frage bleibt aber: Wie frei kann ein Mensch im Verhältnis zu seinem Schicksal respektive in fremdbestimmten Systemen (Gesellschaft, Staat) letztlich sein? Für Klaus Hammacher, Emeriti an der RWTH Aachen, ist diese Frage über die Grenzen der Philosophie hinaus erkenntnisleitend, er hat ihr einen Großteil seines akademischen Lebens gewidmet. Man kann Freiheit als Gefühlsregung, als neuronalen Determinismus oder als Handlungsauftrag sehen, wobei Letzteres die Selbstverpflichtung und damit die bürgerschaftliche (weil republikanische) Verantwortung impliziert. Das setzt in Grundzügen eine Idee der Freiheit voraus. Hammacher schlägt souverän einen weiten Bogen, indem er in seinen Betrachtungen in der Spätantike ansetzt und Epikur, Augustinus sowie Boethius als Zeugen in eigener Sache auftreten lässt. Bei seinen Streifzügen durch die vielschichtigen Aspekte und Verzweigungen der Materie kommt er zwangsläufig auch auf die Brüche des 19. Jahrhunderts zu sprechen, in dem Freiheit dank der europäischen Aufklärung eine neuartig begründete Aufladung erfährt, die seither unser Denken bestimmt. Als heutige Problemfelder werden unter anderem die Psychoanalyse und die Religion beispielhaft genannt, stehen beide doch symbolhaft für den Diskurs über die menschliche Würde. Der Autor stellt eine Ethik als Verhaltenslehre in Aussicht, seine Überlegungen zur Freiheit sollen ein wichtiger Baustein dafür sein. Diesen Band nimmt man, auch wegen des Sach‑ und Personenverzeichnisses, gerne öfters in die Hand.
Martin Schwarz, Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften und Philosophie (ISP) an der Universität Vechta.
Rubrizierung: 5.15.35.425.45 Empfohlene Zitierweise: Martin Schwarz, Rezension zu: Klaus Hammacher: Die Frage nach der Freiheit Baden-Baden: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39679-die-frage-nach-der-freiheit_48091, veröffentlicht am 12.05.2016. Buch-Nr.: 48091 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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