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Ansätze einer nachhaltigen Energiepolitik in Russland

Hanna Sivakova-Kolb

Ansätze einer nachhaltigen Energiepolitik in Russland. Entwicklung der Förderpolitik für erneuerbare Energien mit einem Exkurs zur Region Murmansk

Berlin: Freie Universität Berlin 2015 (http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/FUDISS_derivate_000000017344/DISS_final.pdf); 378 S.
Politikwiss. Diss. Berlin; Begutachtung: L. Mez, M. Schreurs. – In Russland herrschen bei der Energiegewinnung immer noch die konventionellen Erzeugungsmethoden vor, darunter vor allem die Produktion von Energie aus fossilen Rohstoffen. „Die Russländische Föderation legt […] in ihrer vor allem an der Gewinnmaximierung orientierten Energiepolitik wenig Wert auf Nachhaltigkeit und Effizienz.“ (16) Doch Hanna Sivakova‑Kolb sieht durchaus Ansätze und Potenziale für den Ausbau regenerativer Energiequellen. In der Region Murmansk, die sie beispielhaft untersucht, werde etwa der potenzielle Anteil erneuerbarer Energien für 2025 auf 10,6 Prozent geschätzt. Die Autorin fragt nach den Bedingungen einer Entwicklung der Förderpolitik für erneuerbare Energien. Um das Politikfeld Energie zu untersuchen, unternimmt sie in einer Einzelfallstudie eine qualitative Inhaltsanalyse verschiedener Dokumente und führt Interviews mit Fachexperten und beteiligten Akteuren. In theoretischer Hinsicht bezieht sie sich auf den Advocacy‑Coalition‑Ansatz von Paul A. Sabatier und Hank C. Jenkins‑Smith sowie die Theorie des institutionellen Wandels von Douglass C. North. Das Umweltbewusstsein in Russland beschreibt Sivakova‑Kolb differenziert. So seien laut Umfragen drei Viertel der Menschen „über den Zustand der Umwelt am eigenen Wohnort sehr stark oder eher beunruhigt“ (139). Umweltschutz‑NGOs oder grüne Parteien spielten aber nur eine relativ geringe Rolle. Die Akzeptanz für erneuerbare Energien sei insgesamt gestiegen, schwanke aber und sei „stark medial beeinflusst“ (142). 1999 lehnte Boris Jelzin ein Gesetz zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen ab. Das damalige Scheitern führt die Autorin auf vorherrschende „traditionelle energiepolitische Vorstellungen über konventionelle Energieträger“ (173) zurück, gegen die sich Befürworter nicht durchsetzen konnten. Die Verfasserin resümiert, dass im folgenden Jahrzehnt dann aber „eine maßgebliche Entwicklung des Policy‑Feldes erneuerbare Energien“ (330) stattgefunden habe. Notwendige Grundlagen für den Ausbau des erneuerbaren Sektors seien geschaffen worden. Wichtige Faktoren dafür waren nach Sivakova‑Kolb das Gewinnstreben einzelner Unternehmen und deren gute politische Vernetzung sowie das Ziel, Russlands Wirtschaft zu modernisieren und den westlichen Technologievorsprung aufzuholen. Für die Zukunft sieht die Autorin die zentrale Rolle für den Ausbau weiterhin bei den Unternehmen.
Wolfgang Denzler, Diplom-Journalist, B. A., Politikwissenschaftler, M. Sc., Nachhaltigkeitswissenschaftler.
Rubrizierung: 2.622.212.263 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Hanna Sivakova-Kolb: Ansätze einer nachhaltigen Energiepolitik in Russland. Berlin: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39641-ansaetze-einer-nachhaltigen-energiepolitik-in-russland_48229, veröffentlicht am 28.04.2016. Buch-Nr.: 48229 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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