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Relations between the European Union and Egypt after 2011 – Determinants, Areas of Co-operation and Prospects

Anna Potyrała / Beata Przybylska-Maszner / Sebastian Wojciechowski (Hrsg.)

Relations between the European Union and Egypt after 2011 – Determinants, Areas of Co-operation and Prospects

Berlin: Logos Verlag 2015; 216 S.; 36,- €; ISBN 978-3-8325-4048-7
Der Arabische Frühling hat die Europäische Union vor die Herausforderung gestellt, ihre Beziehungen zu Ägypten auf eine neue Grundlage zu stellen. Dass sie dabei in der Praxis auch die Bereitschaft zeigt, ihre eigenen Maßstäbe für die Beziehungen mit Drittstaaten – Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Einhaltung der Menschenrechte – preiszugeben, ist die Ausgangsthese der Herausgeber_innen des Sammelbandes. Er stellt das Ergebnis eines an der Adam‑Mickiewicz‑Universität Posen durchgeführten Forschungsprojekts zum Thema der europäisch‑ägyptischen Beziehungen nach 2011 dar und enthält Beiträge von Wissenschaftler_innen aus verschiedenen Teilgebieten der Politikwissenschaft: Strategische Studien, Europäische Integrationsforschung und Internationale Beziehungen. Dabei widmen sich die Autor_innen sowohl den Bestimmungsfaktoren und Ausdrucksweisen des Einflusses der EU auf die Entwicklung Ägyptens als auch dem Grad, zu dem sich die EU der Verbreitung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten verpflichtet gezeigt hat. Besondere Aufmerksamkeit gilt unter den EU‑Staaten dabei Polen und Deutschland. Die methodische Grundlage des Projekts bilden unter anderem Umfragen, die die Forscher_innen in den verschiedenen für das Thema des Bandes relevanten EU‑Institutionen durchgeführt wurden. Die Zahl der behandelten Politikbereiche ist dabei hoch. Neben den Finanz‑ und Wirtschaftsinstrumenten der EU werden Terrorismus, Migration, Energiesicherheit, Wahlen und Wahlbeobachtung sowie das Verhältnis der EU zur ägyptischen Zivilgesellschaft analysiert. Laut Beata Przybylska‑Maszner ist die Aufrechterhaltung der Zusammenarbeit mit Ägypten für die EU nicht nur zu dem Preis eines Kompromisses hinsichtlich der eigenen Werte erfolgt und die „Europäische Vision“ (25) spiegelt auch nicht die Bedürfnisse und Erwartungen Ägyptens wider. Angesichts dieser Realität plädiert die Autorin dafür, dass die EU ihre „Bürde politischer Illusionen“ (39) abschütteln und eine realistische Erwartungshaltung zugunsten der Stabilität in der Region einnehmen möge. Dem Dilemma der Stabilisierung versus Demokratisierung widmet sich auch Karolina Libront, sie untersucht Deutschlands Ägypten‑Politik vor und nach den Ereignissen des Arabischen Frühlings. Ägypten sei für die Bundesrepublik nicht nur seit Langem ein wichtiger Partner in der Wirtschafts‑ und Entwicklungszusammenarbeit in der Region, es existiere unter den deutschen Entscheidern und Experten auch eine verbreitete Bereitschaft für eine Zusammenarbeit mit Diktaturen. Nach dem Sturz des gewählten Präsidenten Mohammed Mursi und Berlins ambivalenter Reaktion ist für sie klar, dass die Bundesrepublik Stabilität bevorzugt, obwohl von politischen Kommentatoren auch der Ruf nach Demokratisierung zu hören gewesen ist.
Christian Patz, M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 4.222.633.52.252.22.222.21 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Anna Potyrała / Beata Przybylska-Maszner / Sebastian Wojciechowski (Hrsg.): Relations between the European Union and Egypt after 2011 – Determinants, Areas of Co-operation and Prospects Berlin: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39288-relations-between-the-european-union-and-egypt-after-2011--determinants-areas-of-co-operation-and-prospects_47768, veröffentlicht am 21.01.2016. Buch-Nr.: 47768 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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