Portal für Politikwissenschaft

Carl von Clausewitz und Hybride Kriege im 21. Jahrhundert

Mehran Zolfagharieh

Carl von Clausewitz und Hybride Kriege im 21. Jahrhundert. Das Beispiel der Iranischen Revolutionsgarden

Marburg: Tectum Verlag 2015; 106 S.; pb., 19,95 €; ISBN 978-3-8288-3503-0
Masterarbeit. – Mehran Zolfagharieh fragt, inwiefern die derzeit vielbesprochenen sogenannten hybriden Kriege mit dem vor mittlerweile mehr als eineinhalb Jahrhunderten erdachten Theoriewerk von Carl von Clausewitz vereinbar sind. Der Autor bespricht dazu zunächst die Grundlagen der Clausewitz’schen Theorie und seines Kriegsverständnisses, um dieses heutigen Formen kriegerischer Konflikte gegenüberzustellen, von denen der Hybridkrieg den eigentlichen Mittelpunkt der Analyse darstellen soll. In Ermangelung einer allgemein akzeptierten Definition beschreibt Zolfagharieh hybride Kriege als „Anwendung von Gewalt durch einen staatlichen oder nicht‑staatlichen Akteur oder beide zusammen unter Nutzung asymmetrischer Kriegsführung, konventioneller militärischer Taktik, terroristischer und krimineller Mittel, um dem Gegner psychologisch den eigenen Willen aufzuzwingen und die Kosten eines Sieges beim Gegner zu erhöhen“ (52). Ebenfalls Teil einer solchen Kriegsführung sei die Nutzung von moderner militärischer und Informationstechnologie. Nun lassen sich mit Diskussionen über Kriegsdefinitionen und ihre Vor‑ und Nachteile ganze Bücher füllen. Nur so viel sei an dieser Stelle angemerkt: Den Begriff des Sieges in eine Definition von hybriden Kriegen einzuführen, erscheint problematisch, da gerade die Abwesenheit eines militärischen Siegs als realistische Option beziehungsweise erklärtes Ziel der beteiligten Konfliktparteien als Merkmal hybrider Kriege begriffen werden kann. Im zweiten Teil seiner Arbeit überprüft Zolfagharieh seine These am Beispiel der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC). Angesichts ihrer besonderen Rolle als wirtschaftlicher, militärischer und politischer Akteur, ihrer besonderen Fähigkeiten im Bereich der nicht‑konventionellen Kriegsführung und der sanktionsbedingten Schwäche der regulären Streitkräfte stellen diese einen geradezu exemplarischen Fall zur Klärung der Frage, wie hybride Kriege zu Bestandteilen der strategischen Überlegungen eines staatlichen Akteurs werden können. Zolfagharieh zufolge bilden die „iranischen Militärdoktrinen ein einzigartiges hybrides Gebilde aus westlichen Militärkonzepten vereint mit ideologischen Ansätzen, Märtyrertum und revolutionärem Eifer“ (71). Sein Fazit lautet, dass es sich für die IRGC bei der hybriden Kriegsführung nicht um ein Mittel der Wahl handelt, sondern um einen Ausdruck des Fehlens ebendieser. Angesichts der geringen Erfolgswahrscheinlichkeit in einer symmetrischen Auseinandersetzung hätten die IRGC einen Ansatz entwickelt, der von den westlichen Streitkräften, die „eine Lernfähigkeit hinsichtlich asymmetrischer Bedrohungen noch nicht bewiesen“ (81) hätten, ein verändertes strategisches Denken und Handeln erfordere.
Christian Patz, M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 4.415.332.634.12.25 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Mehran Zolfagharieh: Carl von Clausewitz und Hybride Kriege im 21. Jahrhundert. Marburg: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39097-carl-von-clausewitz-und-hybride-kriege-im-21-jahrhundert_47261, veröffentlicht am 19.11.2015. Buch-Nr.: 47261 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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