Portal für Politikwissenschaft

Regionalism(s)

Gudrun M. Grabher / Ursula Mathis-Moser (Hrsg.)

Regionalism(s) A Variety of Perspectives from Europe and the Americas

Wien: new academic press 2014 (Institut für Föderalismus – Schriftenreihe 119); X, 210 S.; 20,- €; ISBN 978-3-7003-1926-9
Als territoriale Ordnungseinheiten jenseits des Zentralstaates finden Regionen – und mit ihnen das Konzept des Regionalismus – bereits länger Aufmerksamkeit in der Forschung. Gudrun Grabher und Ursula Mathis‑Moser nutzen den Begriff der Region als thematische Klammer für zehn Beiträge, die alle unterschiedliche fachliche Zugänge, begriffliche Verständnisse und geografische Schwerpunkte wählen. Interdisziplinär und multiperspektivisch angelegt versammelt ihr Band unter anderem Autor_innen aus den Fächern Politikwissenschaft, Geografie, Rechtswissenschaften sowie den Regionalwissenschaften. Anne Gamper liefert den programmatischen Einführungsbeitrag, in dem sie eine ausführliche Klärung der Begriffe von Region und Regionalismus vornimmt und diese aus rechtswissenschaftlicher Perspektive einordnet. Der Aufstieg des Regionalismus und der Bedeutungszuwachs der Region als territoriale Ordnungseinheit kann ihr zufolge als ein in den 1970er‑Jahren einsetzender Prozess der Regionalisierung verstanden werden, der Forderungen nach größerer Autonomie oder sogar Unabhängigkeit befördert hat. Während Regionalismus ursprünglich als „kleiner Bruder des Föderalismus“ (3) angesehen wurde, ist er immer wieder mit zentralistischen Bestrebungen konfrontiert gewesen und als Kostenfaktor Gegenstand von Kritik geblieben. Inwieweit Regionen sich darüber hinaus als Weg zur Überwindung von Grenzen eignen, wird sich nach Ansicht von Gamper außerdem erst noch herausstellen müssen. Doris Dialer beschäftigt sich mit einer institutionalisierten Form von Regionalismus, wenn sie in ihrem Beitrag die regionalpolitische Gestaltungsfähigkeit des Europäischen Parlaments (EP) aus neoinstitutionalistischer Perspektive unter die Lupe nimmt. Sie betrachtet dabei vor allem den Ausschuss für Regionale Entwicklung (REGI), der – wie das EP allgemein – seit dem Vertrag von Lissabon über mehr Gestaltungsmöglichkeiten verfügt. Dialer vermittelt einen Überblick der Entwicklung der Kompetenzen und Arbeit des Ausschusses. Für die Zukunft sieht sie dabei unter anderem einen Bedarf an mehr Synergien zwischen nationalen und europäischen Regionalpolitiken. Konkret schlägt sie hierzu gemeinsame Sitzungen von nationalen Parlamenten und EP zwecks Feststellung (haushalts)politischer Prioritäten in dieser Frage vor. Dass sich Regionalismen auch außerhalb Europas entwickelt haben, zeigt Virginia Elisabeta Etges am Beispiel Südbrasiliens. Für sie belegen Beispiele wie die regionalen Entwicklungsräte in Rio Grande do Sul, wie lokale und regionale Entwicklungsprogramme als Alternativen zu globalen, vertikal orientierten Entwicklungspolitiken funktionieren können. Der Sammelband ist das Ergebnis einer im November 2013 in Innsbruck abgehaltenen Konferenz.
Christian Patz, M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 4.52.612.642.652.213.34.3 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Gudrun M. Grabher / Ursula Mathis-Moser (Hrsg.): Regionalism(s) Wien: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38813-regionalisms_46914, veröffentlicht am 03.09.2015. Buch-Nr.: 46914 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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