Portal für Politikwissenschaft

Die Rosenburg

Manfred Görtemaker / Christoph Safferling (Hrsg.)

Die Rosenburg. Das Bundesministerium der Justiz und die NS-Vergangenheit – eine Bestandsaufnahme

Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2013; 373 S.; 2. Aufl.; geb., 49,99 €; ISBN 978-3-525-30046-6
Die Villa Rosenburg war von 1950 bis 1973 Dienstsitz des Bundesministeriums der Justiz (BMJ) in Bonn. Welche persönlichen und politischen Belastungen aufgrund der NS‑Vergangenheit von Beamten wie Institution auf dem Ministerium in dieser Zeit lasteten, wird seit Anfang 2012 auf Initiative der damaligen Justizministerin Sabine Leutheusser‑Schnarrenberger von einer Unabhängigen Wissenschaftlichen Kommission untersucht. Um „eine Bilanz des aktuellen Forschungsstandes zu ziehen, Anregungen für die künftige Arbeit zu erhalten und gleichzeitig einen Beitrag zum öffentlichen Diskurs über NS‑Belastungen im Bereich der Justiz zu leisten“ (11), wurde im April 2012 ein Symposium organisiert, dessen Beiträge in diesem Band versammelt sind. Das Kommissionmitglied Manfred Görtemaker diskutiert in seinem Beitrag die bis Anfang der 1990er‑Jahre recht überschaubare Literatur von und über das Justizministerium, die zu einem Gutteil tendenziös ist und den ministerialen Zeitgeist atmet, aber auch einen Eindruck von der in der Rosenburg herrschenden und aus den Akten kaum zu rekonstruierenden Atmosphäre gibt. Erst in den 1980er‑Jahren, als das BMJ anfing, sich ernsthaft mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen, verfasste Albrecht Götz auf Anregung und mithilfe des Justizministers eine Dokumentation über die Verfolgung von NS‑Straftaten, Lothar Gruchmann publizierte zudem seine Studie über die „Justiz im Dritten Reich“. Im Ministerium selbst, namentlich vom Präsidenten des Justizbundesamtes Gerhard Fieberg und seinen Kollegen, wurde eine überaus kritische Wanderausstellung organisiert. Die heutige Auseinandersetzung ist „breit und vielschichtig“ (41), aber, so Görtemaker, könnte die vom BMJ gewünschte Schwerpunktsetzung „dazu führen, die Aufmerksamkeit wieder in eine Richtung zu verlagern, die gerade erst überwunden wurde“ (42). Joachim Rückert hat dagegen die Akten des BMJ gesichtet und birgt aus ihnen viele Hinweise auf Lebensläufe, aus denen sich Kontinuitäten und Wandel ableiten lassen, wie er in seinem Beitrag zeigt. Damit meint Rückert nicht „nur“ Amtskontinuitäten, sondern er geht bei der Analyse der einzelnen Personen deutlich tiefer und nimmt auch Partei‑ und andere Belastungen auf. Seine Ergebnisse sind bereits mit Blick auf die Leitungsebenen vielsagend, jedoch wächst „die Belastung auf der Unterabteilungsleiterebene und vor allem auf der Referentenebene mit, statt abzunehmen“ (66).
Ines Weber, M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.3222.35 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Manfred Görtemaker / Christoph Safferling (Hrsg.): Die Rosenburg. Göttingen: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38759-die-rosenburg_44020, veröffentlicht am 20.08.2015. Buch-Nr.: 44020 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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