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Sambia in der 3. Republik

Nguyen Cao Thanh

Sambia in der 3. Republik. Demokratische Transition und wirtschaftliche Liberalisierung von 1991 bis 2008

Online-Publikation 2014 (http://edoc.hu-berlin.de/dissertationen/nguyen-cao-thanh-2013-05-13/PDF/nguyen.pdf); 404 S.
Diss. HU Berlin; Begutachtung: A. Eckert, V. Houben. – Cao Thanh Nguyen geht der Frage nach, ob in Sambia „die demokratische Transition und die Bemühungen zur Liberalisierung der Wirtschaft zueinander“ standen, ob sie sich gar gegenseitig bedingten. Mit Blick auf die ehemalige britische Kolonie vertritt Nguyen die These, „dass die Politik in Sambia seit der Unabhängigkeit im Jahre 1964 immer schon zwischen den nationalen und internationalen Akteuren ausgehandelt wurde“ (7). Für den Zeitraum von 1991 – dem Jahr der ersten freien Wahlen in Sambia – bis 2008 zeichnet er in einem akteursorientierten Ansatz nach, welche Akteursgruppe welche politische Position entlang des von ihm verfolgten Erkenntnisinteresses vertreten hat. Neben politischen Parteien, Institutionen und Gerichten finden auch zivilgesellschaftliche Akteure, wie etwa die Kirche, und Unternehmen Berücksichtigung: „Relevantes Material wurde in den Archiven der NGOs, der Geber‑Organisationen und Stiftungen in Sambia, der Parteien und Interessengruppen gesammelt“ (25), sodass eine kombinierte, sowohl qualitative (Protokolle, Zeitungsberichte) als auch quantitative (Statistiken) Auswertung möglich wurde. Im Zuge der Auswertung der Daten und Quellen kommt Nguyen unter anderem zu dem Schluss, dass die demokratische Transition in Sambia – immer im doppelten Sinne, als institutionelle wie auch als politisch‑kulturelle Demokratisierung verstanden – aller Schwierigkeiten und Rückschläge zum Trotz – Stichwort Korruption – als grundsätzlich gelungen bezeichnet werden kann: „Bei allen Schwächen für Demagogen und wegen der bitteren Armut, einer Anfälligkeit für politische Korruption, würden Sambier heute keine Diktatur mehr akzeptieren. Die Zivilgesellschaft war stark genug, um vor einer Willkürherrschaft zu warnen und den Widerstand dagegen zu organisieren.“ (325) Allerdings mangelt es noch an einer ökonomischen Konsolidierung, die trotz aller wirtschaftlichen Liberalisierung in Sambia, das vornehmlich auf Landwirtschaft und Rohstoffexport setzt, noch nicht hinreichend umgesetzt ist. Inwieweit der Begriff des „Ownership“ (310), der – so kann man Nguyen hier paraphrasieren – die Verantwortung für die Identifikation und Durchführung wirtschaftspolitischer Maßnahmen allein bei den Betroffenen ablädt, überhaupt als Konzept und noch dazu als ein taugliches gelten darf, wird in der in diesem Fall nur recht holzschnittartigen Darstellung nicht ersichtlich. Auch die Ausgangsfrage gerät vor diesem Hintergrund etwas aus dem Blick.
Matthias Lemke, Dr. phil. habil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.672.22.22 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Nguyen Cao Thanh: Sambia in der 3. Republik. 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38758-sambia-in-der-3-republik_47439, veröffentlicht am 13.08.2015. Buch-Nr.: 47439 Rezension drucken

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