Portal für Politikwissenschaft

War and Statehood in South Sudan

Manfred Öhm

War and Statehood in South Sudan

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014 (Studien zu Ethnizität, Religion und Demokratie 17); 235 S.; geb., 62,- €; ISBN 978-3-8487-1843-6
Diss. Freiburg; Begutachtung: T. Hanf. – Von 1955 bis 2005 herrschte im Süden des Sudans insgesamt 39 Jahre lang Bürgerkrieg. Manfred Öhm, der von 2003 bis 2007 im Land gelebt und gearbeitet hat, fragt, ob es Institutionen und Akteure gibt, die dort einen Frieden tragen könnten. Er untersucht dabei hauptsächlich die Phase des sogenannten Zweiten sudanesischen Bürgerkrieges, der von 1983 bis 2005 dauerte. Entworfen wird ein detailreiches, durch zahlreiche im Land geführte Interviews angereichertes Bild von einer Weltregion zwischen Staatszerfall und State Building, in der aus einer Gemengelage von Konflikt, Krieg und territorialem Anspruchsdenken heraus ein neues staatliches Gebilde – die Republik Südsudan – entstehen konnte. Paradoxerweise, so Öhm, habe gerade durch die Mischung aus langem Konflikt und ebenso langer Anwesenheit von internationalen Hilfsorganisationen und anderen unterstützenden Institutionen die Grundlage für eine friedliche Koexistenz in einem multiethnischen Staat geschaffen werden können. Peace Building beginne also nicht erst nach dem Ende eines Krieges, sondern schon viel früher, noch während der Auseinandersetzung selbst: „Im Unterschied zu der Annahme, dass ein langer Krieg, insbesondere wenn er die Charakteristiken eines sogenannten neuen Krieges erfüllt, zu staatlicher Fragilität führt, beweist der Fall Südsudans, dass State Building auch unter den Bedingungen eines anhaltenden Krieges möglich ist.“ (215). Neben den internationalen Organisationen sind es laut Öhm insbesondere „existierende Strukturen lokaler Staatlichkeit“ (220) und Vertreter der Kirchen gewesen, die hierzu einen Beitrag geleistet haben. Der Ausblick für den Südsudan fällt indes eher nüchtern aus: Die Wahlen 2010 hätten gezeigt, so Öhm, dass demokratische Teilhabe und friedliche Koexistenz nur schwach ausgeprägt seien – unter anderem auch deshalb, weil die politischen Eliten jenseits der Ausbeutung von Ölvorkommen und ethnischer Konkurrenz über kaum weiterreichende politische Visionen verfügten.
Matthias Lemke, Dr. phil. habil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.672.212.222.232.25 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Manfred Öhm: War and Statehood in South Sudan Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38550-war-and-statehood-in-south-sudan_46866, veröffentlicht am 18.06.2015. Buch-Nr.: 46866 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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