Portal für Politikwissenschaft

Deutschland – Frankreich – Polen seit 1945

Corine Defrance / Michael Kißener / Jan Kusber / Pia Nordblom (Hrsg.)

Deutschland – Frankreich – Polen seit 1945. Transfer und Kooperation

Brüssel u. a.: Peter Lang 2014 (Deutschland in den internationalen Beziehungen 6); 291 S.; 44,90 €; ISBN 978-3-0352-6476-0
Für Deutschland sind die Beziehungen zu seinen beiden großen Nachbarstaaten im Osten und im Westen – Polen und Frankreich – von besonderer Bedeutung. Verschiedentliche Versuche, diese besonderen Beziehungen auch auf trilateraler Ebene institutionell zu verankern, zeitigten jedoch nur bedingt Erfolge, wie am Beispiel des sogenannten Weimarer Dreiecks als losem Konsultationsforum nach 1991 deutlich wird. Gleichwohl sind diese Beziehungen häufig von großer Lebendigkeit, wie die Herausgeberinnen und Herausgeber einleitend betonen. Im Mittelpunkt der Beiträge, die auf eine internationale Tagung in Mainz im Oktober 2010 zurückgehen, stehen denn auch „Austauschformen und ihre selektive Aneignung und Entleihungen einzelner Elemente aus dem deutsch‑französischen Beziehungsgefüge im Bereich von Annäherung und Kooperation“ (10) mit Blick auf Polen, aber auch in umgekehrter Perspektive. In drei Beiträgen werden zunächst die wechselseitigen Beziehungen nach 1945 und die mit Blick auf die Verwerfungen der beiden Weltkriege keineswegs selbstverständliche Normalisierung des Nebeneinanders untersucht. Vier Aufsätze sind dem Weimarer Dreieck im engeren Sinne gewidmet. Gerade im Verhältnis zu Russland liegen hier manche strukturellen Unterschiede in der Außenpolitik der drei Länder, wie Dieter Bingen hervorhebt. Das eigentliche Moment der Verbindung und Kooperation liegt für Jérôme Vaillant denn auch nicht auf der staatlichen, sondern auf der zivilgesellschaftlichen Ebene. Sechs weitere Texte liefern zahlreiche Beispiele für diese These, unter anderem mit Blick auf den Jugendaustausch zwischen den Ländern oder auf die Städtepartnerschaften. Gerade diese Erfolgsgeschichten beziehen sich jedoch häufig auf die einzelnen bilateralen Verhältnisse. Die trilaterale Zusammenarbeit hingegen ging bislang kaum „über schüchterne Versuche und vereinzelte Initiativen hinaus“ (201), wie Kornelia Ko?czal und Robert ?urek für den Bereich der wissenschaftlichen Kooperation konstatieren. Und doch: Angesichts der historischen Belastungen ist die hier bereits erreichte Stabilität der Beziehungen, wie sie eingangs Hans‑Jürgen Bömelburg hervorhebt, nicht hoch genug zu schätzen.
Martin Munke, M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 4.24.214.222.612.232.35 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Corine Defrance / Michael Kißener / Jan Kusber / Pia Nordblom (Hrsg.): Deutschland – Frankreich – Polen seit 1945. Brüssel u. a.: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38474-deutschland--frankreich--polen-seit-1945_46906, veröffentlicht am 28.05.2015. Buch-Nr.: 46906 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...