Portal für Politikwissenschaft

Virtus

Silke Schwandt

Virtus. Zur Semantik eines politischen Konzepts im Mittelalter

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2014 (Historische Politikforschung 22); 227 S.; 34,90 €; ISBN 978-3-593-50076-8
Diss. Bielefeld; Begutachtung: B. Jussen, H. Leppin. – Silke Schwandt, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bielefeld, hat im Rahmen eines SFB‑Projektes zur politischen Sprache im Mittelalter eine interessante Promotionsschrift zum mittelalterlichen Wortgebrauch des Begriffes „virtus“ vorgelegt, in der es um „Konzeptionen von Gemeinschaft, um Ordnungsvorstellungen und Selbstbeschreibungen sowie um Ideal und Realität in der Wahrnehmung der [behandelten] Autoren und Sprecher geht“ (11). Ausgehend von der Annahme, dass die Beschäftigung mit Sprachmustern in besonderer Weise Aufschluss über die Konstruktionsmerkmale von Wirklichkeit zu geben verspricht, untersucht die Verfasserin am Beispiel der Gemeinschaftsspiegel des Mittelalters den dezidiert politischen Textkorpus der Fürstenspiegel, die zeitlich zwischen „De Civitas Dei“ des Augustinus und dem „Policraticus“ des Johannes von Salisbury liegen. Thematisiert wird also die Geschichte des Politischen wie auch die Geschichte des Tugenddiskurses, wobei schnell deutlich wird, dass das Politische in der Vormoderne eher an anderer Stelle als in der Debatte um „virtus“ zu suchen sein wird. Auf der einen Seite also geht es in dem Begriff um Taten und Eigenschaften, die einzelnen Personen zugeschrieben oder von ihnen verlangt werden. Auf der anderen Seite bezeichnet „virtus“ eine von Personen unabhängig gedachte Wirkmacht, die Gegenständen und Abstrakta innewohnt. Die Vokabel changiert also zwischen den Beschreibungen von Eigenschaften und Handlungen. Dabei liegt der Schwerpunkt der Arbeit neben der Katalogisierung der sprachlichen Befunde auf der Erstellung von sogenannten Wortgebrauchsgeschichten. Vornehmlich sind es drei Geschichten des Wortgebrauchs von „virtus“, die erzählt werden sollen: die Beschreibung von dessen Funktion im politischen Feld, die mit dem Wort vollzogene Kennzeichnung von Subjekten und Objekten sowie eine Geschichte der Varianten und Stabilisierungen.
Georg Kamphausen, Prof. Dr., Historische Soziologie, Kulturwissenschaftliche Fakultät, Universität Bayreuth.
Rubrizierung: 5.31 Empfohlene Zitierweise: Georg Kamphausen, Rezension zu: Silke Schwandt: Virtus. Frankfurt a. M./New York: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38087-virtus_45783, veröffentlicht am 19.02.2015. Buch-Nr.: 45783 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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