Portal für Politikwissenschaft

Die Entwicklungshilfe aus philosophischer Sicht

Pascal Nkobwa Mupepele

Die Entwicklungshilfe aus philosophischer Sicht. Ein aristotelischer Ansatz

Würzburg: Königshausen & Neumann 2014 (Epistemata. Würzburger wissenschaftliche Schriften: Reihe Philosophie 551); 273 S.; brosch., 39,80 €; ISBN 978-3-8260-5445-7
Philosoph. Diss. Würzburg; Begutachtung: J. Müller. – Westliche Entwicklungshilfe in Zentralafrika gilt als gescheitert. Die Gründe dafür, dass sich trotz jahrzehntelanger Transfers von Hilfsgütern und Geldern in die Region sowie großer Ressourcenvorkommen dort am materiellen Notstand der Menschen kaum etwas geändert hat, sieht der Autor in fehlerhaften philosophischen Grundannahmen – die Entwicklungshilfe könne nicht erfolgreich sein, weil sie auf einer verkürzten Anthropologie beruhe. „Das von Eigeninteressen geleitete Engagement für Menschen in Not endet da, wo die Interessen der Geber enden.“ (257) Wenn hilfsbedürftigen Ländern die Hilfe verweigert werde, weil sie keine Ressourcen, Absatzmärkte oder strategische Vorteile für die Geberländer bieten, widerspreche das aber einem allgemeinen moralischen Empfinden. Deshalb macht sich Pascal Nkobwa Mupepele an „die Erarbeitung einer nicht‑utilitaristischen anthropologischen Grundlage der Entwicklungshilfe“ (258). Das größte Problem der betroffenen Menschen sei, dass sie keine Chance erhielten, ihre Grundfähigkeiten zu entfalten. Diese Entfaltung zu ermöglichen sei aber nach dem Fähigkeitenansatz von Martha Nussbaum moralisch geboten und eine besondere Verpflichtung der Politik. Besonders der Mangel an Bildung und demokratischen Freiheiten sowie die Kolonialgeschichte der Länder habe aber die individuelle Fähigkeitsentfaltung der Menschen verhindert. Die Entwicklungshilfe müsse daher „Hilfe zur Humanisierung“ (259) sein und die Würde des Menschen schützen, besonders das Recht auf Entfaltung der individuellen Fähigkeiten. Sie dürfe sich nicht auf materielle, utilitaristische Dimensionen beschränken. Der gebürtige Kongolese Mupepele hat für sein umfangreiches Werk nicht nur theoretisch gearbeitet, sondern auch eine mehrmonatige Forschungsreise durch die zentralafrikanischen Länder unternommen und Auswanderer aus der Region befragt.
Wolfgang Denzler, Diplom-Journalist, B. A., Politikwissenschaftler, M. Sc., Nachhaltigkeitswissenschaftler.
Rubrizierung: 4.442.672.25.315.33 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Pascal Nkobwa Mupepele: Die Entwicklungshilfe aus philosophischer Sicht. Würzburg: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37968-die-entwicklungshilfe-aus-philosophischer-sicht_46269, veröffentlicht am 15.01.2015. Buch-Nr.: 46269 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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