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Vom mühsamen Geschäft der Demokratieförderung

Erfried Adam

Vom mühsamen Geschäft der Demokratieförderung. Die internationale Entwicklungszusammenarbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung

Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2012 (Geschichte der internationalen Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung 2); 669 S.; brosch., 38,- €; ISBN 978-3-8012-0434-1
Bei diesem zweiten Band zur Geschichte der internationalen Arbeit der Friedrich‑Ebert‑Stiftung (FES) liegt der Schwerpunkt auf den Jahren seit 1989/90; allerdings wird auch ausführlich die Stiftungsarbeit in den vorherigen drei Jahrzehnten in den Entwicklungsländern behandelt. Dem Anspruch des Autors nach wird aber „keine Evaluierung“ (18) der FES‑Tätigkeit in den Entwicklungskontinenten und ‑regionen (Subsahara‑Afrika, Asien und Pazifik sowie Naher/Mittlerer Osten und Nordafrika, Lateinamerika und Karibik) versucht. Er stellt vor allem die Entwicklung interner Strukturen, Zuständigkeiten und von Verbindungen zu anderen Akteuren dar. Spannend liest sich das, wenn es um die Rolle der politischen Stiftungen als Bestandteil und Erweiterung deutscher Außenpolitik geht: etwa, wenn sich ausländische Regierungsdelegationen oder Vertreter antikolonialer Bewegungen auf Einladung der FES in Bonn – damals zugleich Hauptstadt und Sitz der Stiftung – aufhielten. Oft betont Erfried Adam die im Vergleich zu deutschen Regierungsvertretern flexibleren Handlungsmöglichkeiten der Stiftung, vor allem im Umgang mit der Opposition in den Entwicklungsregionen. Einen weiteren Schwerpunkt legt er auf die durch die deutsche Einheit veränderten Bedingungen und nötige Prioritätensetzung angesichts sinkender Haushaltsmittel – bei Vermeidung eines Qualitätsverlustes und ohne das dichte Netz an FES‑Büros in großen wie kleinen Ländern aufzugeben. Letztlich sei die internationale Abteilung seit Anfang der 1990er‑Jahre sogar gewachsen und „nicht nur der nach Budget und Personaleinsatz gewichtigste Arbeitsbereich“, sondern „ein zentraler Pfeiler der politischen Arbeit der Stiftung“ (107). Die FES sei „in ihrem Kern eine Institution der Demokratieförderung“ (415), auch indem sie Kontakte (nicht selten informeller Natur) zwischen Entscheidungsträgern, Gewerkschaftern und Intellektuellen vermittle und durch jahrzehntelange Arbeit vor Ort und persönliche Kontakte ein internationales Netzwerk aufgebaut habe. Die gesammelten Eindrücke aus Protokollen, Interviews und den Hausakten der Stiftung lesen sich dabei teils als etwas langatmiger Tätigkeitsbericht; abseits von Konferenzen und Strategiepapieren aber gelingt ein interessanter Blick hinter die Kulissen internationaler Stiftungsarbeit.
Frank Kaltofen, Politikwissenschaftler, Promotionsstudent, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 4.444.212.22.632.652.672.68 Empfohlene Zitierweise: Frank Kaltofen, Rezension zu: Erfried Adam: Vom mühsamen Geschäft der Demokratieförderung. Bonn: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37956-vom-muehsamen-geschaeft-der-demokratiefoerderung_43751, veröffentlicht am 15.01.2015. Buch-Nr.: 43751 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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