Portal für Politikwissenschaft

Joseph Schumpeters Theorie gesellschaftlicher Entwicklung

Ingo Pies / Martin Leschke (Hrsg.)

Joseph Schumpeters Theorie gesellschaftlicher Entwicklung

Tübingen: Mohr Siebeck 2013 (Konzepte der Gesellschaftstheorie 19); VII, 299 S.; brosch., 39,- €; ISBN 978-3-16-152932-0
Joseph A. Schumpeter verdanken wir einige politökonomische Losungen, die seit 2008 verstärkt in den Feuilletons in Anschlag gebracht werden. Vom ‚Unternehmergeist‘ und dessen Unterwanderung ist dort ebenso die Rede wie von der ‚schöpferischen Zerstörung‘. Der Band, der auf eine von der Ludwig‑Erhard‑Stiftung 2012 unterstützte Tagung in Wittenberg zurückgeht, verfällt nicht dieser kurzatmigen Oberflächlichkeit. „Von Schumpeter wird man nichts Wesentliches mehr lernen, wenn man ihn weiterhin so rezipiert, wie dies in der Vergangenheit vornehmlich der Fall war.“ (32) Schon die historisch informierte, an Kenntnissen und Verweisen reiche Einleitung von Ingo Pies weist über die gängigen Schlagwörter hinaus und bemüht sich um eine begründete Auseinandersetzung mit Schumpeters Gesamtwerk. Insgesamt ist es den Ökonomen Ingo Pies und Martin Leschke dann gelungen, neben lesenswerten Interpretationen des Verhältnisses von Schumpeter zur österreichischen Schule der Nationalökonomie, der Bedeutung seiner Konjunkturtheorie und der Rolle des Unternehmers für gesellschaftliche Innovationen Aufsätze zu dessen soziologischer und politikwissenschaftlicher Bedeutung zu versammeln. Harald Bluhm unterstreicht etwa in seiner Auseinandersetzung mit Schumpeters gesellschaftstheoretischer Marx‑Kritik, dass dieser um eine ernsthafte Marx‑Rezeption bemüht war und darüber zu den Themen „Krisen, Demokratie, Intellektuellenkritik einige gewichtige neue Akzente“ (241) setzen konnte. Hervorzuheben ist die erfreuliche Konzeption von (fünf) Hauptbeiträgen und (jeweils zwei) Repliken. Nach diesem Schema kommt auch Schumpeters Idee der Demokratie beziehungsweise der demokratischen Methode zur Sprache. Als Wermutstropfen bleibt, dass sein Repräsentationsverständnis und dessen Bezug zur Leader Democracy, wie sie schon seit Längerem etwa von Danilo Zolo oder András Körösényi diskutiert werden, nur in der Replik von Gary S. Schaal und dort nur sehr knapp eine Rolle spielen.
Hendrik Claas Meyer, M. A., Politikwissenschaftler und Soziologe, Universität Bayreuth.
Rubrizierung: 5.465.425.45 Empfohlene Zitierweise: Hendrik Claas Meyer, Rezension zu: Ingo Pies / Martin Leschke (Hrsg.): Joseph Schumpeters Theorie gesellschaftlicher Entwicklung Tübingen: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37852-joseph-schumpeters-theorie-gesellschaftlicher-entwicklung_45119, veröffentlicht am 04.12.2014. Buch-Nr.: 45119 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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