Portal für Politikwissenschaft

Weder Krieg noch Frieden im Südkaukasus

Aser Babajew

Weder Krieg noch Frieden im Südkaukasus. Hintergründe, Akteure, Entwicklungen zum Bergkarabach-Konflikt

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2014; 223 S.; brosch., 39,- €; ISBN 978-3-8487-1396-7
Zusammenstöße in der Ostukraine, Kämpfe gegen die IS‑Miliz im Irak – seit Monaten dominieren diese Konflikte die mediale Öffentlichkeit. Doch abseits dessen erhält seit Anfang August ein älterer Streit im südlichen Kaukasus neue Brisanz: der Konflikt zwischen den ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach. Unabhängig von diesen neuesten Entwicklungen, aber motiviert, „das Wissen über den Konflikt und seine Akteure im deutschsprachigen Raum zu erweitern“, legt Aser Babajew eine Einführung vor, „ohne dabei für sich eine umfassende Behandlung aller Dimensionen zu beanspruchen“ (17). Er erläutert die Vorgeschichte der Region sowie die Entstehung des Konflikts im frühen 20. Jahrhundert und seine gewaltsame Eskalation ab den späten 1980er‑Jahren. Hierbei beleuchtet er vor allem die damalige Rolle der Führung in Moskau und den Umstand, dass der Konflikt um Bergkarabach als „Katalysator für die Wiedergeburt des armenischen und aserbaidschanischen Nationalismus“ (40) wirkte. Nach dem Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan (von Ende 1991 bis Mai 1994) habe sich im Streit um die Region, die völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört, kaum eine Annährung, geschweige denn eine Konfliktlösung abgezeichnet. Die Gründe dafür rekonstruiert Babajew anhand der außenpolitischen Ziele, Interessenlagen und konkreten Politiken der Konfliktparteien. Er betont die Rolle der Vertriebenen (insgesamt über eine Million Menschen), was dem Konflikt „für Aserbaidschan in erster Linie nicht eine innenstaatlich‑ethnische Dimension, sondern eine zwischenstaatlich‑territoriale Dimension“ (69) gebe. Armenien wiederum lasse sich „von einem stark geschichtszentrierten Identitätsverständnis leiten“, wobei die Region Bergkarabach „als einer der Ursprungsorte armenischer Kultur und Religion im nationalen Diskurs unumstritten“ (85) sei. Auch die ökonomischen und geostrategischen Interessen externer Akteure wie Russland und USA sowie die Vermittlungsbemühungen der EU fasst Babajew übersichtlich zusammen; die Regionalmächte Türkei und Iran hingegen lässt er bewusst außen vor. Wertvoll ist auch der gut 60‑seitige Anhang des Buches mit relevanten Dokumenten, etwa bilateralen Vereinbarungen oder von internationalen Organisationen wie OSZE und UNO.
Frank Kaltofen (FK)
Politikwissenschaftler, Promotionsstudent, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 4.41 | 4.3 | 2.63 Empfohlene Zitierweise: Frank Kaltofen, Rezension zu: Aser Babajew: Weder Krieg noch Frieden im Südkaukasus. Baden-Baden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37556-weder-krieg-noch-frieden-im-suedkaukasus_45976, veröffentlicht am 18.09.2014. Buch-Nr.: 45976 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...