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Jahrbuch für Islamophobieforschung 2014

Farid Hafez

Jahrbuch für Islamophobieforschung 2014

Wien: new academic press 2014; 204 S.; 22,90 €; ISBN 978-3-7003-1886-6
Das fünfte Jahrbuch zur Islamophobieforschung bündelt erneut Beiträge, „die sich mit der Islamophobie auf ganz unterschiedlichen Ebenen auseinandersetzen“ (8). In der Tat zeigt die Vielfalt der Aufsätze, dass die Relevanz des Themas in verschiedensten Wissenschaftsbereichen und Ländern erkannt wurde. Nicht zuletzt ein Beitrag zur Situation in Schweden weist dabei über das deutschsprachige Gebiet hinaus. In anderen Fällen ist bisweilen erst spät ersichtlich, auf welches Land sich die Analysen beziehen, zumal teilweise auch (etwa zwischen Deutschland und Österreich) hin und her gewechselt wird. Die entscheidende Rolle der Medien beim Diskurs über den Islam steht im Fokus gleich zweier Beiträge: David Stoop macht in seiner Untersuchung der Presseberichterstattung zum Kölner Moscheebau „insbesondere in der Hauptphase der Debatte […] zahlreiche Verweise auf die angebliche islamische Integrationsfeindlichkeit, Rückständigkeit und Demokratiefeindlichkeit“ (122) aus. Daniel Geschke et. al. fragen: „Wie beeinflusst Islamophobie Senderpräferenzen? Und welchen Effekt haben Unterschiede im Fernsehkonsum […] auf Islamophobie?“ (163) Sie zeigen dabei einen interessanten statistischen Zusammenhang hinsichtlich der präferierten TV‑Kanäle. Überhaupt ist das Jahrbuch insgesamt erfrischend praxisbezogen, etwa wenn die Frage von (rechtswidriger) Überwachung muslimischer Gemeinschaften durch Staatsorgane gestellt wird oder Handlungsempfehlungen für die universitäre Lehre gegeben werden. Ärgerlich dagegen ist, wenn im Beitrag von Zülfukar Çetin und Savaş Taş ein ganzes Bündel wissenschaftlicher Studien, Hypothesen und empirischer Daten regelrecht verrissen werden, pauschal etwa von einer „nicht nachvollziehbaren gesamten Analyse“ (22) oder „weder theoretisch noch empirisch begründbar[en]“ (29) Hypothesen die Rede ist. Freilich spielen viele Studien zum Islam und zur Gewalt(‑bereitschaft) eine unrühmliche Rolle als Stichwortgeber eines medialen Alarmismus, etwa wenn Ergebnisse verkürzt in Schlagzeilen gepresst werden. Methodik und Befunde anderer Wissenschaftler handstreichartig als rassistisch zu bezeichnen, dabei gleichsam – um das Mindeste zu sagen – verkürzt darzustellen und vielsagend als „konstruiert“ (33) zu bezeichnen, ist jedoch keineswegs zielführend, auch nicht für die Erforschung von Islamophobie.
Frank Kaltofen (FK)
Politikwissenschaftler, Promotionsstudent, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.23 | 2.35 | 2.333 | 2.61 | 2.4 | 2.5 Empfohlene Zitierweise: Frank Kaltofen, Rezension zu: Farid Hafez: Jahrbuch für Islamophobieforschung 2014 Wien: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37207-jahrbuch-fuer-islamophobieforschung-2014_45513, veröffentlicht am 19.06.2014. Buch-Nr.: 45513 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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