Portal für Politikwissenschaft

Republik ohne Würde

Armin Thurnher

Republik ohne Würde

Wien: Paul Zsolnay Verlag 2013; 303 S.; 17,90 €; ISBN 978-3-552-05603-9
Ein zeitgenössischer Kinderbuchbestseller heißt „Gregs Tagebuch. Von Idioten umzingelt“, worin ein Schüler mit viel Biss und Ironie von seinem Alltag erzählt. Armin Thurnher liefert nun die Erwachsenenversion für empörte Bürger. Sein Buch beinhaltet neben der Anamnese des Zustands der Republik Österreich ein „Tagebuch der verlorenen Würde“. Thurnher knüpft an Stéphane Hessels Empörung an, indem er aufs französische „Indignez‑vous“ antwortet: Er fühlt sich entwürdigt und schreibt dagegen an. Entwürdigt von der österreichischen Politik, den Medien und beider Protagonisten schildert der Autor in zahlreichen Anekdoten und Analysen, wo und wie Respekt, Wertschätzung und Achtung verletzt werden. Er zeigt auf, wie nicht nur individuelle, private, sondern „institutionelle Demütigung“ (Avishai Margalit; siehe Buch‑Nr. 5781) die Bürgergesellschaft und damit die Demokratie versehren. Als Journalist und Medienunternehmer hat Thurnher Einsichten in die österreichische Politik‑ und Medienlandschaft wie sie ein Politologe kaum erlangen kann. Im Fokus seiner Betrachtungen stehen die vergangenen circa 15 Jahre, die Privatisierung, Ökonomisierung und Medialisierung der Politik, vor allem die Kanzlerschaft Wolfgang Schüssels und seiner blauen „Feschisten“ rund um den „schönen Finanzminister“ Karl‑Heinz Grasser. Der Autor erlebt, dass „die Technik des Machterhalts jede Entpolitisierung zu rechtfertigen scheint“ (8), dokumentiert, dass privater Wohlstand mit öffentlicher Verwahrlosung einhergeht und erkennt die Krise Europas nicht als Finanz‑, sondern als Legitimations‑ und vor allem als Öffentlichkeitskrise. Österreichs Medienöffentlichkeit ist für ihn schlicht „Entwürdigung als soziales System“ (194); der Staat habe durch seine „Operettenhaftigkeit“ (145) längst an Würde verloren und gebe dies nun in Form einer „Demütigung von Staats wegen“ (58) an die Bürger weiter. Für Thurnher ist der Kampf um Würde nicht altmodisch, sondern eine zeitlose Verteidigung der Freiheit – und somit ein politischer Kampf.
Tamara Ehs (TE)
Dr. phil., Politikwissenschaftlerin am IWK Wien und Lehrbeauftragte an der Universität Salzburg (http://homepage.univie.ac.at/tamara.ehs/)
Rubrizierung: 2.4 | 2.22 | 2.23 Empfohlene Zitierweise: Tamara Ehs, Rezension zu: Armin Thurnher: Republik ohne Würde Wien: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/36236-republik-ohne-wuerde_44475, veröffentlicht am 26.09.2013. Buch-Nr.: 44475 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

Suchen...