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Säkularismus und Islam in Ägypten

Alexander Flores

Säkularismus und Islam in Ägypten. Die Debatte der 1980er Jahre

Berlin: Lit 2012 (Studien zur Zeitgeschichte des Nahen Ostens und Nordafrikas 17); 202 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-643-11513-3
Habilitationsschrift FU Berlin. – Ägypten hat im Juni 2012 einen islamistischen Präsidenten gewählt. Flores konnte diese aktuelle Entwicklung zwar nicht mehr berücksichtigen, trägt aber mit seiner Studie grundsätzlich zum Verständnis der Gegenwart bei, indem er die Debatte zwischen Säkularisten und Islamisten in historischer Perspektive erläutert. Schon seit den 1970er-Jahren habe man den Islam mit einer neuen Akzentuierung diskutiert. Dies habe den ägyptischen Säkularisten noch mehr Anlass gegeben, ihre Auffassung öffentlich zu äußern. Je stärker die ägyptischen Islamisten in den 1980er-Jahren geworden seien, desto mehr sei auch über den Säkularismus diskutiert und geschrieben worden. Genau diese Interaktion wird in diesem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Werk untersucht. Im Mittelpunkt stehen die politischen Auseinandersetzungen zwischen islamistischen Kräften und den ägyptischen Säkularisten in den 1980er-Jahren. Flores’ These lautet, dass die säkularen Bewegungen in der islamischen Welt durchaus ihre gesellschaftliche Bedeutung haben und eine Gegenkraft zu den Vertretern der „islamischen Ideologie“ (180) darstellen. Das Buch ist im Andenken an Alexander Schölch und Farag Foda geschrieben worden. Letzterer wurde am 8. Juni 1992 von radikalen Islamisten ermordet. Flores erinnert daran, dass nicht nur viele Islamisten die Ermordung von Foda rechtfertigten, sondern auch angesehene Gelehrte. Foda habe zu den schärfsten ägyptischen Kritikern der Islamisten gezählt, der Religion aber zugleich eine wichtige gesellschaftliche Funktion zugebilligt – für ihn sei die Religion sogar das Gewissen gewesen. Dennoch habe er sich für eine Trennung von Staat und Religion eingesetzt, wonach der Staat die Aufsicht über die Moschee haben müsse. Foda kritisierte die Islamisten, indem er ihnen das „Fehlen einer politischen Theorie“ (125) attestierte. Flores erläutert über die Argumente Fodas hinaus, dass innerhalb des säkularen Lagers zwei wichtige Positionen vertreten werden: Eine Position erkläre den Islam „als für bestimmte Lebensbereiche irrelevant“ und die zweite versuche den Islam durch eine „vernunftbetonte Interpretation mit den modernen Gegebenheiten vereinbar zu machen“ (165).
Wahied Wahdat-Hagh (WWH)
Dr., Dipl.-Soziologe und Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.63 | 2.23 Empfohlene Zitierweise: Wahied Wahdat-Hagh, Rezension zu: Alexander Flores: Säkularismus und Islam in Ägypten. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/35212-saekularismus-und-islam-in-aegypten_42398, veröffentlicht am 19.07.2012. Buch-Nr.: 42398 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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