Portal für Politikwissenschaft

Die Herrschaft der Finanzmärkte

Joachim Bischoff

Die Herrschaft der Finanzmärkte. Politische Ökonomie der Schuldenkrise

Hamburg: VSA 2012; 228 S.; 16,80 €; ISBN 978-3-89965-486-8
Joachim Bischoff verfolgt einen vergleichenden und ganzheitlichen Ansatz. Die zunehmende Staatsverschuldung in Europa ist für ihn sowohl Ausdruck als auch treibende Kraft eines grundlegenden Wandels unserer Wirtschaftsordnung. Er sieht eine Krise des fordistischen Wirtschaftssystems Ende der 1970er-Jahre eintreten, als die Nachfrage, die sich vorwiegend aus Löhnen bildete, mit dem Produktionspotenzial der westlichen Länder nicht mehr mithielt. Daher reduzierten sich die Möglichkeiten für gewinnbringende Investitionen, sodass das Kapital in den folgenden Jahrzehnten verstärkt in das Finanzsystem floss. Bischoff spricht von „Überakkumulation“ (53). Die Folge war eine Machtverschiebung von den Akteuren der Realwirtschaft, und damit vor allem von den Beschäftigten, hin zu den Akteuren des Finanzsystems und folgerichtig eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und der Löhne. Um noch handlungsfähig zu sein bzw. noch konsumieren zu können, wichen staatliche Akteure und Privathaushalte in die Verschuldung aus und absorbierten so einen Teil des überakkumulierten Kapitals. Diese Entwicklung ist für Bischoff mit der aktuellen Staatsschuldenkrise an ihr Ende gekommen. Im Anschluss an die Analyse (die allerdings noch etwas klarer hätte strukturiert werden können) werden mögliche Lösungsvorschläge präsentiert. Da eine Austeritätspolitik wie auch eine Forcierung des Wirtschaftswachstums zur Reduzierung der Schuldenlast für Bischoff nicht realisierbar bzw. erstrebenswert sind, schlägt er eine alternative Strategie vor. Neben der Besteuerung von Vermögen und Kapitaleinkommen und einer Re-Regulierung der Märkte formuliert er Vorschläge, die der solidarischen Ökonomie und der Wirtschaftsdemokratie zuzuordnen sind. Bischoffs dezidiert sozialstaatlich orientierte Studie steht in der Tradition der postkeynesianischen Politischen Ökonomie und kann nur als neoliberalismuskritisch bezeichnet werden. Da sie zum besseren Verständnis der aktuellen Staatsschuldenkrise beiträgt, sei ihre Lektüre auch Vertreterinnen und Vertretern anderer Theorierichtungen empfohlen.
Kristian Klinck (KLI)
Dr. rer. pol., Politikwissenschaftler, Lehrbeauftragter, Institut für Sozialwissenschaft, CAU Kiel.
Rubrizierung: 4.43 | 3.5 | 2.61 | 2.262 Empfohlene Zitierweise: Kristian Klinck, Rezension zu: Joachim Bischoff: Die Herrschaft der Finanzmärkte. Hamburg: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34965-die-herrschaft-der-finanzmaerkte_42057, veröffentlicht am 26.04.2012. Buch-Nr.: 42057 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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