Portal für Politikwissenschaft

Islamismus am Horn von Afrika

Oliver Stuke

Islamismus am Horn von Afrika. Al-Shabaabs Rolle für die Entwicklung Somalias

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2011 (Berliner Studien zur Politik in Afrika 16); 194 S.; geb., 34,80 €; ISBN 978-3-631-60785-5
Ausgehend vom Erstarken islamistischer Gruppen am Horn von Afrika setzt sich Stuke mit deren Bedeutung für die weitere Entwicklung der Region auseinander. Die staatlichen Grenzen in Afrika werden als durchlässig beschrieben, was dazu führe, dass extremistische Gruppen nicht nur regional, sondern auch auf See ein globales Sicherheitsproblem darstellen. Der Autor konzentriert sich in seiner Untersuchung auf die islamistische Terrororganisation Al-Shabaab (Jugend), die etwa 80 Prozent der Gebiete Süd- und Zentralsomalias kontrolliere. Die zentrale Frage des Autors lautet daher, „welche Rolle Al-Shabaab für die bisherige, aber auch vor allem zukünftige Entwicklung Somalias und das Horn Afrikas zukommt“ (18). Stuke definiert den Islamismus als eine Form des Fundamentalismus, er sei ein „übersteigerter Traditionalismus“, der versuche, „die eigenen, althergebrachten Werte zu bewahren und ihnen absolute Geltung zu verschaffen“ (53). Das Verständnis der Tradition werde dabei häufig konstruiert, in Somalia werde der Islamismus mit politischem Widerstand in Verbindung gebracht. Dieser sei dabei nicht nur als eine nationalistische Antwort auf die Kolonialherrschaft zustande gekommen – fallen Söldner aus Nachbarstaaten wie Äthiopien in Somalia ein und töten Menschen, erhalten islamistische Extremisten Zulauf, weil sie „vermeintlich die Moral verteidigen“ (57). Der Autor geht davon aus, dass Al-Shabaabs Stärke und Reichweite „insbesondere wegen möglicher Verbindungen zu Al-Quaida oft signifikant unterschätzt“ (86) werden. Da diese Terrororganisation die Kontrolle über den Großteil Somalias erlangt habe, sorge sie für eine „Talibanisierung“ (87) Somalias. Dennoch kommt er zu dem Schluss, dass diese Organisation in Zukunft keine signifikante Rolle am Horn von Afrika spielen werde, weil ihre Politik „inkompatibel“ (172) mit der somalischen Tradition sei. Ein militärisches Engagement des Westens in Somalia über den Schutz von Handelsschiffen hinaus sei zudem unwahrscheinlich, nur nach einem „Anschlag in Europa oder den Vereinigten Staaten“ (173) wäre diese Frage offen.
Wahied Wahdat-Hagh (WWH)
Dr., Dipl.-Soziologe und Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.67 | 2.23 | 2.25 Empfohlene Zitierweise: Wahied Wahdat-Hagh, Rezension zu: Oliver Stuke: Islamismus am Horn von Afrika. Frankfurt a. M. u. a.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/34812-islamismus-am-horn-von-afrika_41852, veröffentlicht am 05.04.2012. Buch-Nr.: 41852 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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