Portal für Politikwissenschaft

Wir haben die Wahl

Kurt Biedenkopf

Wir haben die Wahl. Freiheit oder Vater Staat

Berlin: Propyläen Verlag 2011; 252 S.; geb., 19,99 €; ISBN 978-3-549-07375-9
Kurt Biedenkopf bedauert, dass sich Ludwig Erhard mit seiner Idee einer wirklich freien Gesellschaftsordnung im Deutschland der Nachkriegszeit nicht habe durchsetzen können. Stattdessen sei es zu einer ordnungspolitischen Zweiteilung zwischen dem die sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen setzenden Staat und dem freien Markt gekommen. Er kritisiert, dass in diesem zweigeteilten System mit dem rasanten Wirtschaftswachstum der Nachkriegszeit parallel zur Soziallast auch die Schuldenlast des Staates gestiegen sei und dass inzwischen sogar das Wirtschaftswachstum vom Staat subventioniert werde. Das Ergebnis dieser verfehlten Wirtschaftspolitik manifestiert sich in seinen Augen in maroden Staatsfinanzen, einer ausgebeuteten Natur, zur Neige gehenden natürlichen Ressourcen und einer sinnentleerten Gesellschaft. Biedenkopf legt dar, wie diese Zweiteilung beendet und die soziale Markwirtschaft im Sinne einer ganzheitlichen Ordnung neu gestaltet werden kann. Er knüpft an Erhards Vorstellung von einer einheitlichen Wirtschafts- und Sozialordnung an, in der Staat und Markt den gleichen Grundprinzipien verpflichtet sind. Auf diesem Weg könnten die aus der Teilung der Sozialordnung resultierenden Spannungen aufgehoben werden. Laut Biedenkopf sollte eine neue Sozialordnung von dem Recht der Bürger auf Teilhabe und Mitbestimmung geprägt sein. Hilfe sollte nur dann geleistet werden, wenn Bürger Lasten und Risiken nicht ohne die Unterstützung der sozialen Dienste bewältigen könnten. Soziale Gerechtigkeit sollte nicht durch Umverteilung, sondern durch Teilhabegerechtigkeit verwirklicht werden. Diese begreift Biedenkopf als eine Investition in die Befähigung aller, eigenverantwortlich und damit in Freiheit zu leben. Das Ergebnis wäre eine starke Zivilgesellschaft, die dazu in der Lage wäre, mit Umsicht und Verantwortung auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu reagieren.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.331 | 2.3 | 2.22 | 2.2 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Kurt Biedenkopf: Wir haben die Wahl. Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33777-wir-haben-die-wahl_40461, veröffentlicht am 23.06.2011. Buch-Nr.: 40461 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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