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Die völkerrechtliche Bewertung des militärischen Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan um Berg-Karabach

Aydan Bashlinskaya

Die völkerrechtliche Bewertung des militärischen Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan um Berg-Karabach. Das Krisenmanagement durch die Vereinten Nationen, die Europäische Union und die OSZE

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (Schriftenreihe des Zentrums für Europäische Rechtspolitik der Universität Bremen [ZERP] 60); 166 S.; 42,- €; ISBN 978-3-8329-5803-9
Rechtswiss. Diss. Bremen; Gutachter: H. Lichtenberg. – Bashlinskaya erläutert den historischen Hintergrund des Konflikts um Berg-Karabach, bewertet die Situation nach derzeit geltenden völkerrechtlichen Maßstäben, analysiert das Krisenmanagement der internationalen Organisationen und schließt mit rechtspolitischen Lösungsvorschlägen. Demnach ist schnellstmöglich die Wiederherstellung der territorialen Integrität in Aserbaidschan anzustreben, kombiniert mit einer „Vereinbarung eines internen Status für Berg-Karabach unter Berücksichtigung der Rechte der vertriebenen aserbaidschanischen Bevölkerung von Berg-Karabach“ (152). Die Ergebnisse sind völkerrechtlich in sich schlüssig dargestellt. Da allerdings insbesondere der auch in diesem Konflikt vorherrschende Streit zwischen dem Prinzip der territorialen Integrität und dem des Selbstbestimmungsrechts der Völker oftmals nicht nach völkerrechtlichen Kriterien, sondern eher nach politischen Interessen im Einzelfall gelöst wird, wäre ein stärkerer Einbezug der Interessen der staatlichen Akteure wünschenswert gewesen. Leider sind zudem auch die Entwicklungen weitestgehend nur bis 2007 berücksichtigt. Insbesondere die politischen Dynamiken, die sich aus dem Georgienkrieg 2008 und den sich seither vorsichtig gestaltenden Annäherungen zwischen der Türkei und Armenien auf den Konflikt um Berg-Karabach ergeben, sind damit nicht erfasst. Dennoch: Mit der systematischen Argumentation leistet Bashlinskaya einen wichtigen Beitrag zu einer Diskussion, in der die völkerrechtlichen Grundlagen oftmals nicht ausreichend detailliert zur Sprache kommen. Sowohl die inhaltliche als auch die sprachliche Klarheit des Buches bieten damit einen guten Einstieg in die komplexe Thematik. Darüber hinaus regen insbesondere die angestellten Überlegungen zu einer notfalls auch auf militärische Mittel zurückgreifenden Politik der Friedenserzwingung zur Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen des Peace-making in geopolitisch bedeutsamen Regionalkonflikten an.
Maximilian Opitz (MO)
Dr., Politikwissenschaftler, in der Energiewirtschaft tätig.
Rubrizierung: 4.41 | 2.63 Empfohlene Zitierweise: Maximilian Opitz, Rezension zu: Aydan Bashlinskaya: Die völkerrechtliche Bewertung des militärischen Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan um Berg-Karabach. Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/33064-die-voelkerrechtliche-bewertung-des-militaerischen-konflikts-zwischen-armenien-und-aserbaidschan-um-berg-karabach_39505, veröffentlicht am 22.12.2010. Buch-Nr.: 39505 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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