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Seit wann gibt es eigentlich Globalisierung?

Boris Loheide

Seit wann gibt es eigentlich Globalisierung?

Hamburg: VSA 2011 (AttacBasis Texte 34); 94 S.; 6,50 €; ISBN 978-3-89965-399-1
Die Globalisierung habe in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begonnen, schreibt der Journalist Loheide. Er stützt seine These mit dem Hinweis auf das Aufkommen neuer wirtschaftstheoretischer Ansätze etwa von Adam Smith, Friedrich List und Karl Marx. Diese Theorien werden kurz vorgestellt. Demnach erläuterte Smith bereits 1776 die ökonomischen Vorteile gesellschaftlicher Arbeitsteilung. Diese seien umso größer, je weitreichender das Gebiet sei, auf dem die Menschen miteinander handelten. Habe Smiths Blick noch auf dem bei der ökonomischen Integration als Hindernis empfundenen Nationalstaat gelegen, so habe List bereits auf die Freihandelskonflikte zwischen unterschiedlich stark industrialisierten Staaten abgehoben. Nationalstaaten als Akteuren der Globalisierung habe List eine besondere Bedeutung beigemessen. Eine wirklich umfassende globale Einheit blieb für ihn nach Auffassung des Autors allerdings ein eher philosophisches Ideal. Wenig später beschäftigten sich Karl Marx und Friedrich Engels mit den durch den beginnenden Kapitalismus stärker hervortretenden Klassengegensätzen. Sie kritisierten die sich im Zuge der Rationalisierung der Produktion verschlechternden Arbeitsbedingungen. Der Autor betont weiter, dass vor allem ihre genaue Wahrnehmung der neuen wirtschaftlichen Triebkräfte von Bedeutung war. Deshalb standen nicht mehr das Unternehmen und die zwischenstaatlichen Beziehungen, sondern die die Grenzen des Nationalstaates überschreitenden sozialen Klassen im Mittelpunkt ihrer Theorie – Loheide interpretiert den Ansatz von Marx und Engels auch als einen Vorläufer der Netzwerktheorie. Zudem setze sich die von ihnen beschriebene gesellschaftliche Umverteilung von unten nach oben insbesondere in den Schwellenländern weiter fort. Um sozialen und politischen Spannungen vorzubeugen, fordert Loheide schließlich die Etablierung leistungsfähiger Sozialsysteme und die universelle Gültigkeit sozialer Rechte. Auf diese Weise könnte ein nachhaltiges und solidarisches Wirtschaftsmodell verwirklicht und das Wohlstandsgefälle zwischen Industrie- und Niedriglohnländern ausgeglichen werden.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.43 | 5.45 | 5.33 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Boris Loheide: Seit wann gibt es eigentlich Globalisierung? Hamburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32550-seit-wann-gibt-es-eigentlich-globalisierung_38852, veröffentlicht am 20.10.2011. Buch-Nr.: 38852 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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