Portal für Politikwissenschaft

Die Geldgesellschaft

Udo Reifner

Die Geldgesellschaft. Aus der Finanzkrise lernen

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010; 469 S.; brosch., 29,95 €; ISBN 978-3-531-17077-0
Der Autor ist Direktor des „Institut für Finanzdienstleistungen e. V.“, das sehr früh vor der drohenden Finanzkrise warnte. In diesem Buch rechnet Reifner nun mit der Geldwirtschaft ab. Er zeigt Hintergründe der aktuellen Finanzkrise auf, erklärt die Mechanismen hinter der Geldwirtschaft und erläutert den Einfluss der Banken auf politische Entscheidungen. Der Autor verweist auf den Widerspruch zwischen Effizienzdenken der Wirtschaft und dem Streben nach Wohlergehen der Gesellschaft. Oftmals – so seine Aussage – lassen sich diese beiden Ziele nicht vereinbaren. Er erläutert diesen Widerspruch anhand verschiedener Beispiele, so etwa anhand der Weiterveräußerung von Immobilienkrediten für den Fall, dass ein Bankenkunde seinen Immobilienkredit nicht mehr bedienen kann. Reifner benutzt ganz bewusst keine Fachtermini, sondern ersetzt diese durch einfach verständliche Formulierungen, außerdem verzichtet er auf Fußnoten. So zeigt sich schon rein äußerlich, dass sich das Buch von einer wissenschaftlichen Studie abheben will. Darüber hinaus ist die Arbeit Reifners alles andere als emotionslos. Eigene Meinungen des Autors tauchen allenthalben auf und laufen so wissenschaftlichen Grundsätzen zuwider. So zählt er beispielsweise die „Liste der schlimmsten/bedeutendsten Wucherkreditgeber“ (218) auf. Trotzdem lässt Reifner, neben seiner 37-jährigen Berufserfahrung, zahlreiche Informationen aus Zeitungsartikeln, wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Diskussionsbeiträgen einfließen. Das Buch nimmt somit eine Mittelstellung zwischen einer rein wissenschaftlichen und einer populärwissenschaftlichen Arbeit ein. Es ist gut lesbar und bietet ein fundiertes Wissen über Geldwirtschaft und Geldpolitik. Allerdings ist es dem Autor nicht gelungen, dem eigenen Anspruch gerecht zu werden: Trotz der größtenteils leicht verständlichen Sprache sind gute Vorkenntnisse im Bereich der Geldwirtschaft vonnöten, um sämtliche Zusammenhänge zu verstehen.
Marko Jakob (MJ)
Dr., MBA.
Rubrizierung: 4.43 | 2.26 | 2.34 | 2.2 | 2.22 | 2.331 Empfohlene Zitierweise: Marko Jakob, Rezension zu: Udo Reifner: Die Geldgesellschaft. Wiesbaden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/32084-die-geldgesellschaft_38267, veröffentlicht am 28.04.2010. Buch-Nr.: 38267 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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