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James Buchanans konstitutionelle Ökonomik

Ingo Pies / Martin Leschke (Hrsg.)

James Buchanans konstitutionelle Ökonomik

Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) 1996 (Konzepte der Gesellschaftstheorie 2); VII, 281 S.; 58,- DM; ISBN 3-16-146652-7
Der Band vereinigt die Beiträge einer interdisziplinären Tagung vom September 1995 in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach. Die Herausgeber lassen nunmehr auf den eröffnenden Band zu John Rawls' politischem Liberalismus (siehe ABP 1/96, 291) den Band 2 in der Reihe "Konzepte der Gesellschaftstheorie" folgen. James Buchanan gilt als Begründer der Institutionenökonomie, die wirtschaftliches wie politisches Leben als Wettbewerbsspiele mit bestimmten Ordnungsregeln begreift. Diese methodische Neuorientierung erlaubt, den jeweiligen Akteuren ihren Beitrag zur gesellschaftlichen Zusammenarbeit zuzuordnen. Buchanans Erweiterung der politischen Ökonomie will die Gesellschaft politisch beraten. Regelungsfehler sollen aufgezeigt und entsprechende praktisch umsetzbare Verbesserungen des institutionellen Arrangements vorgeschlagen werden. Der Vorwurf des ökonomischen Imperialismus greift deshalb nur bedingt: Die Abwendung von der hergebrachten Wohlfahrtsökonomik, die über die Erfüllung ihrer normativen Bedingungen der vollkommenen Konkurrenz den Effizienzbegriff als zentralen Maßstab realen Handelns definiert, erlaubt einen entscheidenden Perspektivenwechsel: Konkurrenz ist nur ein Mittel - und kein Ziel! -, um zu gesellschaftlicher Kooperation zu gelangen. Die ökonomische Rekonstruktion wie auch immer regelgeleiteter gesellschaftlicher Prozesse sollte Ausgangspunkt eines an der breiten Zustimmung der Bevölkerung orientierten Institutionensystems sein. Die Ökonomie Buchanans hat also nicht die Übertragung ökonomischen Denkens auf die Politik, sondern die Erweiterung der Ökonomie auf gesellschaftliche Probleme zum Inhalt. Der Band umfaßt sowohl Beiträge, die einführendes Vertrautmachen mit dem Werk Buchanans erlauben als auch solche, die bestimmte Aspekte konstitutioneller Ökonomik bearbeiten. Die Hauptreferate sind durch je zwei Kommentare begleitet, die durchaus neue inhaltliche Facetten aufwerfen. Für jeden an der Theorie Buchanans Interessierten ist der Band deshalb von Gewinn. Inhalt: I. Einleitung: Ingo Pies: Theoretische Grundlagen demokratischer Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik - Der Beitrag James Buchanans (1-18). II. Tagungsbeiträge: Gerhard Engel: Die Grenzen der politischen Öffentlichkeit. Jürgen Habermas und die konstitutionelle Gesellschaftstheorie (19-55); André Habisch: Die Funktionen der politischen Öffentlichkeit, oder: Kann die konstitutionelle Gesellschaftstheorie von Jürgen Habermas lernen? (Kommentar) (56-63); Heinz Jürgen Schwering: Konkurrenz und Zusammenarbeit im Theoriewettbewerb (Kommentar) (64-73); Martin Leschke: Die Funktion der Moral in der liberalen Gesellschaft - Die Perspektive der konstitutionellen Ökonomik (75-99); Johannes Schmidt: Regeln, Interessen und Moral: Bemerkungen zum normativen Ansatz der konstitutionellen Ökonomik (Kommentar) (100-105); Andreas Suchanek: Konstitutionelle Ökonomik und Moral (Kommentar) (106-110); Cay Folkers: Konstitutionelle Ökonomik und Finanzwissenschaft (111-149); Clemens Fuest: Konstitutionelle Finanzwissenschaft und effiziente Besteuerung (Kommentar) (150-153); Horst Hegmann: Reale Präferenzen und potentieller Konsens (Kommentar) (154-156); Stefan Voigt: Die konstitutionelle Ökonomik als Herausforderung für die Theorie der Wirtschaftspolitik - zugleich eine Skizze zur Weiterentwicklung einer ökonomischen Theorie der Verfassung (157-183); Detlef Aufderheide: Konstitutionelle Ökonomik versus Theorie der Wirtschaftspolitik: Herausforderung des Herausforderers? (Kommentar) (184-192); K. J. Bernhard Neumärker: Ökonomische Theorie für konstitutionelle Ökonomik (Kommentar) (193-202); Karl Homann / Ingo Pies: Sozialpolitik für den Markt: Theoretische Perspektiven konstitutioneller Ökonomik (203-239); Birger P. Priddat: Sozialpolitik ohne Sozialpolitik? (Kommentar) (240-247); Josef Wieland: Sozialpolitik und konstitutionelle Ökonomik (248-252). III. Epilog: Christian Watrin: James M. Buchanans Entwurf einer konstitutionellen Ökonomik (253-271).
Patricia Bauer (PB)
Dr., Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 5.4 | 2.21 | 2.1 Empfohlene Zitierweise: Patricia Bauer, Rezension zu: Ingo Pies / Martin Leschke (Hrsg.): James Buchanans konstitutionelle Ökonomik Tübingen: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/3126-james-buchanans-konstitutionelle-oekonomik_4109, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 4109 Rezension drucken

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