Portal für Politikwissenschaft

Die Kinder der Killing Fields

Erich Follath

Die Kinder der Killing Fields. Kambodschas Weg vom Terrorland zum Touristenparadies

München: Deutsche Verlags-Anstalt 2009; 365 S.; 19,95 €; ISBN 978-3-421-04387-0
Follath, Politikwissenschaftler und Spiegel-Autor, begibt sich auf die Suche nach der Seele Kambodschas, einem Land, das noch immer von seiner grausamen Vergangenheit gezeichnet ist. Im Mittelpunkt von Follaths Reportage stehen Zeitzeugen. So besucht der Autor den Maler Vann Nath, der im Foltergefängnis der Roten Khmer um sein Leben malte oder Nhem En, den ehemaligen Haupt-Fotografen des Foltergefängnisses S-21, der in eben diesem Gebiet heute stellvertretender Distriktsgouverneur ist. Auch von Tep Khunnal, dem ehemaligen Privatsekretär Pol Pots, der sich scheiden ließ, um nach dem Tod des Diktators dessen Witwe zu heiraten sowie seiner Tochter Sitha, die von den Verbrechen ihres Vaters nichts wissen will, liefert er eindrucksvolle Porträts. Follath beschreibt aber nicht nur die Wunden der Menschen, sondern auch ihre Aufarbeitung und den langsamen Heilungsprozess. In den Extraordinary Chambers der Courts of Cambodia warten bei sehr moderaten Haftbedingungen westlichen Zuschnitts Kriegsverbrecher wie der Khmer Rouge-Staatschef Khieu Samphan, der Folterer Kaing Guek und der Chefideologe Nuon Chea auf ihr Tribunal. Diese treffen sich einmal wöchentlich zum Gedankenaustausch. Follath kritisiert dieses Ritual als „Kaffeekränzchen der Massenmörder“ (184). Ein weiterer Schwerpunkt seiner Reportage ist die Vereinnahmung der Vergangenheit durch den Tourismus. Die Schauplätze der Gräueltaten sind heute die Hauptattraktion des von ihm an den Pranger gestellten sogenannten „Euthanasie-Tourismus“ (9). Ein neuer sozialer Brennpunkt Kambodschas ist die Prostitution. Die Hilfsorganisation Afesip betreibt Betreuungszentren für aus der Prostitution befreite Mädchen. Follath begleitet deren charismatische Gründerin Somaly Mam, die selbst als Kind missbraucht und später zur Prostitution gezwungen wurde. Durch ihre Arbeit befindet sie sich in ständiger Lebensgefahr. Mam wurde bereits mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet und steht für ein neues Kambodscha. Dem Autor gelingt eine äußerst spannende und unter die Haut gehende Zustandsbeschreibung der Gegenwart des Landes.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.68 | 2.2 | 2.21 | 2.25 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Erich Follath: Die Kinder der Killing Fields. München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30665-die-kinder-der-killing-fields_36421, veröffentlicht am 24.07.2009. Buch-Nr.: 36421 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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