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Franquismus und Salazarismus: Legitimation durch Diktatur?

Federicio Fernández-Crehuet López / António Manuel Hespanha (Hrsg.)

Franquismus und Salazarismus: Legitimation durch Diktatur?

Frankfurt a. M.: Vittorio Klostermann 2008 (Studien zur europäischen Rechtsgeschichte 234/Das Europa der Diktatur 15); VII, 752 S.; kart., 139,- €; ISBN 978-3-465-04061-3
Entstanden im Rahmen des Projektes „Das Europa der Diktatur. Wirtschaftskontrolle und Recht“ des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte, fokussiert der Band auf die sozialpolitische, mitunter basisdemokratische Verbrämung der spanischen und portugiesischen Diktaturen. Sowohl der Spanier Francisco Francos als auch der Portugiese António de Oliveira Salazar führten autoritäre Regime, die ganz auf ihre Person zugeschnitten waren und daher nach dem Tode der Diktatoren ein quasi natürliches Ende fanden, hier durch die Transition, da durch die Nelkenrevolution. Der erste Teil des Bandes ist der spanischen Verfasstheit seit 1939 gewidmet, wobei jeweils die Wechselbeziehungen zwischen Recht, Repression und Gesellschaft sowie den normativen Stützen des Franquismus unterteilt werden. Äußerst instruktiv ist der Beitrag Ruiz Resas, die den Franquismus als Gemengelage diverser normativer Theorien aufzeigt, wie der durchaus sozialistisch tradierten Ideen des Nationalsyndikalismus, dem wirtschaftlichen Protektionismus und der patriarchalen Staatsstruktur. Inwieweit die katholische Kirche hier Förderer und Nutznießer der „nationalkatholischen“ Staatsideologie war, belegen die Aufsätze von Ibán und García-Peñuela. Insbesondere in dieser Berufung auf eine nationale Begründung im Christentum liegt nicht nur rhetorisch eine Parallele zur portugiesischen Diktatur Salazars, auf die sich der zweite Teil des Bandes bezieht. Der 1933 geschaffene „Estado Novo“ unterschied sich – trotz der offiziell propagierten „iberischen Bruderschaft“ (532) – von selbiger. So fallen in Portugal sowohl der Militarismus als auch die Repressionen gegen Oppositionelle weniger manifest aus als in Spanien zur gleichen Zeit, wie Lacasta-Zabalza analysiert. Als Monita müssen die mitunter holprige Übertragung aus dem Spanischen und Portugiesischen erwähnt werden, folgenschwerer aber noch der Umstand, dass nahezu der gesamte Teil zum Salazarismus in Portugiesisch verfasst ist, wobei einem jeden Beitrag immerhin eine knappe deutsche Zusammenfassung anbei gestellt wird.
Eva Voß (EV)
Dr., Politikwissenschaftlerin, Senior Referentin für Diversity Management bei der Bertelsmann AG.
Rubrizierung: 2.61 | 2.25 Empfohlene Zitierweise: Eva Voß, Rezension zu: Federicio Fernández-Crehuet López / António Manuel Hespanha (Hrsg.): Franquismus und Salazarismus: Legitimation durch Diktatur? Frankfurt a. M.: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/30082-franquismus-und-salazarismus-legitimation-durch-diktatur_35661, veröffentlicht am 03.02.2009. Buch-Nr.: 35661 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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