Portal für Politikwissenschaft

Turbulente Stabilität

Jonas Wolff

Turbulente Stabilität. Die Demokratie in Südamerika diesseits ferner Ideale

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2008 (Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung 1); 431 S.; brosch., 64,- €; ISBN 978-3-8329-3388-3
Gesellschaftswiss. Diss. Frankfurt; Gutachter: L. Brock, H. Müller. – In den Staaten Südamerikas kam es in den letzten Jahren immer wieder zu schweren Krisen. Ihre Präsidenten mussten fliehen, wurden abgesetzt oder traten zurück. Wolff beleuchtet die Hintergründe dieser Turbulenzen. Das Überleben von krisengeschüttelten Demokratien in Südamerika stellt für ihn, besonders vor dem Hintergrund der Geschichte dieses Kontinents, ein erstaunliches Phänomen dar. Die Durchsetzung formaler Demokratie kontrastiert in Lateinamerika mit großer Armut, extremem Reichtum und schweren Wirtschaftskrisen. Zudem weisen die vorhandenen demokratischen Institutionen starke Defizite in ihren wechselseitigen Kontrollfunktionen auf und sind von Korruption und Vetternwirtschaft bedroht. Die Existenz von demokratischer Verfasstheit bei relativer sozialer Stabilität steht für Wolff in eklatantem Widerspruch zu den bisherigen Ergebnissen der westlichen Demokratie- und Friedensforschung. Der Autor fragt nach den Mechanismen dieser erfolgreichen Pazifikation, die er anhand der Fallstudien von Argentinien und Ecuador herausarbeitet. Damit hat er zwei Länder gewählt, die in ökonomischer, soziologischer und politischer Hinsicht vollkommen unterschiedlich strukturiert sind: Das argentinische Parteiensystem wird von zwei großen Parteien bestimmt, während das ecuadorianische hochgradig fragmentiert ist. Die argentinische Gesellschaft hat traditionell starke Mittelschichten und Gewerkschaften, während Ecuador schwache Mittelschichten, schwache Gewerkschaften sowie einen hohen Anteil an informeller Arbeit aufweist. Den Fallstudien vorangestellt ist ein Überblick über den aktuellen Stand der Friedens- und Konfliktforschung, aus dem Wolff den seiner Studie zugrunde liegenden demokratietheoretischen Rahmen konstruiert. Den Abschluss bildet eine Überprüfung der Untersuchungsergebnisse anhand von Bolivien und Chile – zwei Staaten, die sich ebenso wie Argentinien und Ecuador diametral gegenüberstehen.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 2.65 | 2.2 | 2.22 | 2.262 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Jonas Wolff: Turbulente Stabilität. Baden-Baden: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29476-turbulente-stabilitaet_34894, veröffentlicht am 30.09.2008. Buch-Nr.: 34894 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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