Portal für Politikwissenschaft

Die Demokratie und ihre Feinde

Robert Kagan

Die Demokratie und ihre Feinde. Wer gestaltet die neue Weltordnung? Aus dem Amerikanischen von Thorsten Schmidt

München: Siedler Verlag 2008; 127 S.; 16,95 €; ISBN 978-3-88680-890-8
Treffender als die deutsche Übersetzung verdeutlicht der englische Originaltitel Kagans Argumentation: „The Return of History and the End of Dreams“ entlarvt den mit dem Ende des Kalten Krieges nicht nur von Francis Fukuyama beschriebenen Traum eines Zeitalters von Friede und Demokratie als Trugbild. Viel eher als in einem tief greifenden Wandel hätte sich die Welt in den 90er-Jahren lediglich in einer Pause vom Konkurrenzkampf der Nationen befunden. Spätestens mit Beginn des 21. Jahrhunderts sieht Kagan den Großmachtnationalismus ebenso zurückgekehrt wie den alten Kampf zwischen Autokratie und Demokratie, den Letztere keineswegs für immer gewonnen habe. Neben der Supermacht USA gäbe es neue Weltmächte, die aber nach alten Regeln spielten: Russland ist zurück, China die aufstrebende Nation, auch Japan, Indien und der Iran erheben Großmachtansprüche. Jene Staaten folgten – gestärkt durch aus ökonomischem Erfolg gespeistem Selbstbewusstsein – nicht (mehr) den postmodernen Regeln Europas oder der USA, sondern agierten traditionell, üben laut Kagan eine Politik des 19. Jahrhunderts aus, die sich der Technologie des 21. Jahrhunderts bedient: Atomwaffen. Daher steht für den Autor infrage, ob man überhaupt noch von einer „internationalen Gemeinschaft“ sprechen könne, wenn sich „[w]ie im 19. und frühen 20. Jahrhundert die Großmächte zusammen[tun], formelle und informelle Allianzen zur Wahrung ihrer Interessen“ (51 u. 83) bilden. Die beiden großen Koalitionen und zwischen ihnen die globale Spaltung sieht Kagan entlang der Verwerfungslinien zwischen autokratischen und demokratischen Regierungen. Als ehemaliger Mitarbeiter des US-Außenministeriums vermag er letztlich in der US-Hegemonie mehr Vor- als Nachteile zu erkennen, zumindest für alle liberalen, demokratischen Staaten dieser Welt. Deshalb schlägt Kagan die Gründung eines „Bundes der Demokratien“ (106) vor, in dem etwa die USA, Japan, Australien, Indien, die EU- sowie die NATO-Mitglieder „die Ressourcen demokratischer Nationen bündeln“ (106), um die Demokratie weltweit zu schützen und zu fördern.
Tamara Ehs (TE)
Dr. phil., Politikwissenschaftlerin am IWK Wien und Lehrbeauftragte an der Universität Salzburg (http://homepage.univie.ac.at/tamara.ehs/)
Rubrizierung: 4.1 | 4.41 | 2.2 Empfohlene Zitierweise: Tamara Ehs, Rezension zu: Robert Kagan: Die Demokratie und ihre Feinde. München: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/29330-die-demokratie-und-ihre-feinde_34694, veröffentlicht am 23.07.2008. Buch-Nr.: 34694 Rezension drucken

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