Portal für Politikwissenschaft

Politisches Engagement jenseits von Parteistrukturen

Anja Joest

Politisches Engagement jenseits von Parteistrukturen. Exemplarische Studien 1997-2002

Online-Publikation 2007 (http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=985664843); 251 S.
Politikwiss. Diss. Tübingen; Gutachter: G. Meyer, J. Held. – In den Mittelpunkt stellt die Autorin den politisch engagierten Menschen, die Entstehung seines politischen Interesses sowie seine Veranlassung, sich über einen längeren Zeitraum hinweg aktiv für seine Überzeugungen einzusetzen. Was gibt ihm hierzu die Kraft, den Mut und die Energie? Joest knüpft an ihre Magisterarbeit „Zivilcourage und ziviler Ungehorsam am Beispiel des Wendlandes“ an, sie ist selber im Rahmen der Neuen Sozialen Bewegungen politisch engagiert. Ihre Analyse beschränkt sich auf links-alternatives und systemkritisches Engagement jenseits von Parteistrukturen, gestützt auf eine Befragung von 32 politisch engagierten Frauen und Männern. Einige dieser Interviews wurden nur wenige Wochen nach dem dritten Castortransport nach Gorleben mit Personen durchgeführt, die sich in der Anti-Atomkraft-Bewegung engagierten. Joest betrachtet ihre Studie als „eine Variante der Partizipationsforschung, bei der das innere Erleben und die subjektiven Motive des Engagements im Vordergrund stehen“ (12). Anhand der Interviews sei deutlich geworden, dass politisches Engagement in links-alternativen und systemkritischen Gruppierungen „in hohem Maß durch psychologische Faktoren bedingt ist“ (233). Das Hauptmotiv für politisches Engagement sei „das Bedürfnis einem durch die Verletzung von Werten hervorgerufenem, inneren Ungleichgewicht entgegenzuwirken. Dies bedeutet, dass nicht Altruismus im Vordergrund des Handelns steht, sondern die individuelle und subjektiv empfundene Betroffenheit.“ Wie Letztere zum Engagement führe, hänge vor allem von der jeweiligen Persönlichkeit ab. Ausschlaggebend hierfür könnten „Angst, Erfahrungen eigener Diskriminierung oder gar politische Verfolgung sein, die direkte Konfrontation mit Missständen oder aber die gesellschaftspolitische Zuspitzung eines Konfliktes, die zu einer eingehenderen Beschäftigung mit einem Thema führt“ (234). Es darf bezweifelt werden, ob es sich um eine genuin politikwissenschaftliche Fragestellung handelt.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.331 | 2.22 | 2.35 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Anja Joest: Politisches Engagement jenseits von Parteistrukturen. 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/28836-politisches-engagement-jenseits-von-parteistrukturen_34023, veröffentlicht am 04.04.2008. Buch-Nr.: 34023 Rezension drucken

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