Portal für Politikwissenschaft

Japan 2006

Manfred Pohl / Iris Wieczorek (Hrsg.)

Japan 2006. Politik und Wirtschaft

Hamburg: Institut für Asienkunde 2006; 291 S.; 30,- €; ISBN 978-3-88910-332-1
Wirtschaftsthemen bilden den Hauptteil des Jahrbuchs. In politikwissenschaftlicher Hinsicht ist jedoch vor allem Florian Kohlbachers Beitrag interessant. Er untersucht die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die japanische Wirtschaftskraft. In Japan wird befürchtet, dass mit dem allmählichen Renteneintritt der Babyboomer-Generation ab 2007 ein Mangel an Arbeitskräften und ein kaum aufzuholender Wissensverlust entstehen könnte. Kohlbacher erwartet zwar Konsequenzen für den Arbeitsmarkt, aber er verweist auf die Möglichkeit, die Altersgrenze anzuheben. Prognosen seien derzeit noch nicht möglich, für Panikszenarien bestehe kein Anlass. Ganz eindeutig ist hingegen die sinkende Geburtenrate in Japan. Annette Schad-Seifert untersucht die Gründe für dieses Phänomen und findet einige Besonderheiten, die mit den Babyboomern als Elterngeneration zusammenhängen. Auch die niedrige Geburtenrate dürfte aber auf jeden Fall wirtschaftliche Konsequenzen haben. Unter den weiteren Artikel sind besonders zwei aus politikwissenschaftlicher Sicht interessant. So wendet sich Axel Klein eindeutig gegen kultursoziologische Ansätze zur Erklärung politischer Führung in Japan. Er zeigt, dass auch im japanischen politischen System starke Führung möglich ist. Ministerpräsidenten Koizumi sei ein gutes Beispiel dafür. Gleichwohl muss auch Klein einräumen, dass Koizumi einen außergewöhnlichen Fall darstellt. Er könne „deshalb die grundsätzliche Behauptung nicht entkräften, dass es im politischen System Japans kaum ‚starke’ Führungspersönlichkeiten geben kann“ (38). Japans Wunsch, in der Außenpolitik eine Führungsrolle zu spielen, ist Gegenstand eines ausführlicheren Artikels von Kerstin Lukner. Sie zeichnet Japans Streben nach einem ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nach und kommt zu dem Schluss, dass wenig Chancen bestehen. Japan solle sich damit abfinden und stattdessen eine aktive Teilnahme an der „Peace Building Commission“ anstreben, um auf diese Weise direkten Einfluss auf UN-Operationen zur Friedenskonsolidierung zu nehmen.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.68 | 2.2 | 2.21 | 2.22 | 2.24 | 2.262 | 2.263 | 2.27 | 4.22 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Manfred Pohl / Iris Wieczorek (Hrsg.): Japan 2006. Hamburg: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/27699-japan-2006_32529, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 32529 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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