Portal für Politikwissenschaft

Wenn die Flüsse versiegen

Fred Pearce

Wenn die Flüsse versiegen. Aus dem Englischen von Gabriele Gockel und Barbara Steckhan, Kollektiv Druck-Reif

München: Verlag Antje Kunstmann 2007; 399 S.; geb., 24,90 €; ISBN 978-3-88897-471-7
Eine Tasse Kaffe zum Frühstück? Macht 140 Liter Wasser! Ein Glas Milch für die Tochter? 1000 Liter für ein Glas! Einen Hamburger zum Mittagessen (3000 Liter) oder vielleicht doch lieber ein kleines Steak? 5000 Liter! Und zur Verdauung ein Glas Weinbrand für schlappe 2000 Liter Wasser. Der versteckte Wasserverbrauch, der in vielen Produkten steckt, ist erschreckend. Ökonomen sprechen von „virtuellem Wasser“ und meinen die Wassermengen, die zur Herstellung vieler Güter benötigt werden. Der britische Wissenschaftsjournalist Pearce macht in seinem alarmierenden, aber in nüchternem Ton geschriebenen Buch die große Gesamtrechnung auf. Der enorme Wasserverbrauch in Industrie und Landwirtschaft kommt einem Raubbau an einer lebenswichtigen Ressource gleich. So hat die ungebremste Baumwollproduktion direkt zum Austrocknen des Aralsees geführt. Manche Flüsse, wie etwa der Gelbe Fluss in China oder der Colorado River in den USA erreichen in Trockenzeiten das Meer gar nicht mehr, weil vorher so viel Wasser entnommen wurde, dass sie zu Rinnsalen verkümmern, die dann versickern. Pearce hat sich auf die Reise gemacht, um an vielen Orten der Welt zu erkunden, welche erschreckenden Folgen unser Wasserverbrauch auf die Süßwasservorräte der Welt hat. Dort, wo Flüsse oder Seen versiegen, versteppt die Landschaft, Menschen werden krank, Jahrtausende alte Siedlungsgebiete gehen verloren. Und die Kriegsgefahr steigt, weil viele Länder auf Flüsse angewiesen sind, um ihre Wasserversorgung zu sichern. Pearce beschreibt diese Entwicklung so sachlich, dass es den Leser im regenreichen Deutschland sehr nachdenklich macht. Wenn wir Waren kaufen, die in anderen Weltgegenden produziert wurden, verbrauchen wir eben nicht nur enorm viel Energie, sondern wir beeinflussen direkt den Wasserhaushalt der entsprechenden Regionen. Pearce schreibt nicht viel über Politik. Sein Buch ist aber eminent politisch, weil er auf eine Gefahr aufmerksam macht, die noch von der Politik noch längst nicht hinreichend beachtet wird.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.45 | 2.261 | 2.63 | 2.64 | 2.67 | 2.68 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Fred Pearce: Wenn die Flüsse versiegen. München: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/27502-wenn-die-fluesse-versiegen_32257, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 32257 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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