Portal für Politikwissenschaft

Robert Havemann Bibliographie

Werner Theuer / Bernd Florath (Hrsg.)

Robert Havemann Bibliographie. Mit unveröffentlichten Texten aus dem Nachlass

Berlin: Akademie Verlag 2007; XXXV, 432 S.; geb., 59,80 €; ISBN 978-3-05-004183-4
„Die Robert Havemann-Gesellschaft hat es sich seit ihrer Gründung 1990 zur Aufgabe gemacht, das Profil des Sozialisten und Naturwissenschaftlers nachzuzeichnen, der gut zwanzig Jahre lang die zentrale Bezugsperson oppositioneller Bewegungen in der DDR war“ (VII), schreibt Klaus Wolfram im Vorwort. Die Arbeit an dieser Bibliografie habe zehn Jahre in Anspruch genommen, weil sich der Nachlass nach zahlreichen Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen durch das Ministerium für Staatssicherheit „in einem sehr fragmentarischen Zustand“ (IX) befunden habe, so Florath. Zudem habe Havemann zahlreiche Dokumente an verschiedenen Orten versteckt, um sie vor der Staatsmacht zu schützen. Der erste Teil der Bibliografie verzeichnet als Primärliteratur die Veröffentlichungen Havemanns, der zweite Teil Sekundärliteratur zu seiner Person, die bis 2006 erschienen ist. Einen Längsschnitt durch sein politisches Leben bieten die der Bibliografie angefügten Texte aus dem Nachlass, die überwiegend zum ersten Mal publiziert werden und Havemanns Engagement erhellen. Das erste Dokument sind vier Flugblätter der Widerstandsgruppe „Europäische Union“ von 1943. Die Gruppe wollte den Faschismus durch die Errichtung der sozialistischen Gesellschaftsordnung überwinden. Havemann, der sich gerade in Berlin habilitiert hatte, wurde für die Mitgliedschaft in dieser Gruppe vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, die Vollstreckung allerdings immer wieder aufgeschoben. Publiziert werden ferner u. a. Briefe an Jean-Paul Sartre und Helmut Schmidt. Letzteren versuchte er im Vorfeld des NATO-Doppelbeschlusses davon zu überzeugen, dass die Sowjetunion verhandlungsbereiter sei als die USA und appellierte an Schmidt, seine Verantwortung als Kanzler der Deutschen (und nicht der Amerikaner) wahrzunehmen. Havemann, der sich seit seinem Berufsverbot 1966 ganz auf sein (auch friedens-)politisches Engagement konzentrierte, gehörte kurz vor seinem Tod 1982 außerdem zu den Erstunterzeichnern des Berliner Appells „Frieden schaffen ohne Waffen“.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 | 2.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Werner Theuer / Bernd Florath (Hrsg.): Robert Havemann Bibliographie. Berlin: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/25844-robert-havemann-bibliographie_30005, veröffentlicht am 21.05.2008. Buch-Nr.: 30005 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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