Portal für Politikwissenschaft

Entbehrliche der Bürgergesellschaft?

Johanna Klatt / Franz Walter

Entbehrliche der Bürgergesellschaft? Sozial Benachteiligte und Engagement

Bielefeld: transcript Verlag 2011 (Gesellschaft der Unterschiede); 250 S.; 19,80 €; ISBN 978-3-8376-1789-4
Zivilgesellschaft und bürgerschaftlichem Engagement werden in der aktuellen Diskussion sowohl unter demokratietheoretischen als auch unter sozialintegrativen Perspektiven eine hohe Bedeutung zugeschrieben. Sie bilden einen Raum unkonventioneller politischer Beteiligung und wertbasierter Verantwortungsübernahme. Allerdings – das haben etliche Studien gezeigt – sind es eher Angehörige der Mittelschichten, die diese Formen sozialer Aktivitäten praktizieren. Vor diesem Hintergrund gehen die Autoren der im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstellten Studie der Frage nach, welche Spielarten gemeinschaftsbezogenen Engagements sich bei Bürgern finden lassen, die „aufgrund ihres Einkommens, ihres Bildungsstands und ihres Wohnorts" (49) als sozial benachteiligt gelten. Die Untersuchung beruht auf qualitativen Erhebungen (N = 74) in drei ausgesuchten städtischen Problemgebieten (Göttingen, Kassel, Leipzig) und verknüpft konzeptionell sozialräumliche und sozialstrukturelle Interpretationsansätze. Auf Basis des so gewonnenen empirischen Materials gelingt den Autoren über weite Strecken eine dichte Beschreibung von Interaktions- und Kommunikationsstrukturen in benachteiligten Quartieren. Der Reiz der Darstellung liegt in deren betont heuristischer Ausrichtung, die viele Fragen – sowohl hinsichtlich der Engagementforschung wie mit Blick auf Muster der Benachteiligung – aufgreift und diskutiert. Als zentraler Befund wird einerseits hervorgehoben, dass es in diesen Quartieren durchaus ein breites, wenn auch sehr heterogenes Spektrum von Beteiligungspraktiken gibt, das vielfach an spezifische quartiersbezogene Rollen gebunden ist. Andererseits jedoch finden die Autoren die generelle Tendenz bestätigt, dass zivilgesellschaftliche Partizipation kein Medium ist, das soziale Benachteiligung aus sich heraus korrigieren würde.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.35 | 2.331 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Johanna Klatt / Franz Walter: Entbehrliche der Bürgergesellschaft? Bielefeld: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/21655-entbehrliche-der-buergergesellschaft_40665, veröffentlicht am 20.10.2011. Buch-Nr.: 40665 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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