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/ 21.06.2013

Die Geschichte von Abu Ghraib

Philip Gourevitch / Errol Morris

Die Geschichte von Abu Ghraib. Aus dem Amerikanischen von Hans Günter Holl

München: Carl Hanser Verlag 2009; 300 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-446-23295-2
Der Irak-Krieg war bereits in seinen ursprünglichen Begründungen delegitimiert, die Beweise über Massenvernichtungswaffen im Irak waren gefälscht, als ab Mai 2004 auch alle moralischen Erklärungsversuche, ein menschenverachtendes Regime beseitigt zu haben, zum Scheitern verurteilt waren, denn die Weltöffentlichkeit konnte erste Bilder der Folterungen irakischer Häftlinge im Gefängnis Abu Ghraib betrachten. Die Autoren schildern die Mechanismen, welche die Folterungen ermöglichten, und erzählen a...
Philip Gourevitch / Errol Morris

Die Geschichte von Abu Ghraib. Aus dem Amerikanischen von Hans Günter Holl

München: Carl Hanser Verlag 2009; 300 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-446-23295-2
Der Irak-Krieg war bereits in seinen ursprünglichen Begründungen delegitimiert, die Beweise über Massenvernichtungswaffen im Irak waren gefälscht, als ab Mai 2004 auch alle moralischen Erklärungsversuche, ein menschenverachtendes Regime beseitigt zu haben, zum Scheitern verurteilt waren, denn die Weltöffentlichkeit konnte erste Bilder der Folterungen irakischer Häftlinge im Gefängnis Abu Ghraib betrachten. Die Autoren schildern die Mechanismen, welche die Folterungen ermöglichten, und erzählen auch die Geschichten der Täter, die teilweise bereits als Zivilisten rücksichtslos und gewalttätig gewesen waren, teilweise erst unter dem Druck des Krieges einen Sadismus entwickelten, der sie später über sich selbst erschrecken ließ. Um die Verhöre von Gefangenen „effektiver“ zu gestalten, führte die zuständige Offizierin neue Techniken ein: „bis zu dreißig Tage Einzelhaft, Nacktheit, Fesseln in schmerzhaften Stresspositionen, Entzug von Außenreizen und Einschüchterung durch bellende Hunde“, Maßnahmen, die viele Wärter der Militärpolizei „begierig“ (50) aufgriffen. Die Autoren lassen deutlich werden, dass diese Entwicklungen nicht entkoppelt vom Denken der politischen Führung zu sehen sind. So verwarf der Rechtsberater des Präsidenten Alberto Gonzales Einwände, sich von der Genfer Konvention zu entfernen, indem man u. a. militärische Gefangene als gesetzlose Kombattanten einstuft, als „nicht erheblich“ (42). Gonzales selbst hatte in seiner Abwägung angeführt, dass dies die Militärkultur, sich stets an höchsten Verhaltensregeln zu orientieren, untergraben könnte. Auch die konkreten Dienstbedingungen der stationierten Soldaten werden ausgeführt, die enormen Temperaturen und langen Dienstzeiten, die enorme Belastungssituation oder dass „Abu Ghraib damals als der meistangegriffene amerikanische Stützpunkt im Irak galt“ (91). Und so werden im langen Mittelteil des Buchs die Leidens- und Sterbensgeschichten der Gefangenen sowie die Täterlaufbahnen der Soldaten geschildert.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.412.634.222.64 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Philip Gourevitch / Errol Morris: Die Geschichte von Abu Ghraib. München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30580-die-geschichte-von-abu-ghraib_36312, veröffentlicht am 20.05.2009. Buch-Nr.: 36312 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA