Skip to main content
/ 04.06.2013

Che Guevara

Jorge G. Castañeda

Che Guevara. Biographie. Aus dem Englischen und Spanischen von Christiane Barckhausen, Sven Dörper, Ursula Gräfe und Udo Rennert

Frankfurt a. M./Leipzig: Insel Verlag 1997; 640 S.; ISBN 3-458-16885-0
Erschienen zum dreißigsten Todestag Ernesto "Che" Guevaras, steht der Band in Konkurrenz mit anderen, aus gleichem Anlaß veröffentlichten Biographien des argentinischen Revolutionsidols (siehe ZPol 3/97: 1.127 f. sowie ZPol 4/97: 1.596). Der Autor, ein Politikwissenschaftler, versucht jedoch, die Lebensbeschreibung aus einer anderen Perspektive zu geben als der gewöhnlich gewählten der Dokumentenmontage, der journalistischen Anekdotensammlung oder der romantisierenden Hagiographie. Ausgangspunkt...
Jorge G. Castañeda

Che Guevara. Biographie. Aus dem Englischen und Spanischen von Christiane Barckhausen, Sven Dörper, Ursula Gräfe und Udo Rennert

Frankfurt a. M./Leipzig: Insel Verlag 1997; 640 S.; geb., 60,- DM; ISBN 3-458-16885-0
Erschienen zum dreißigsten Todestag Ernesto "Che" Guevaras, steht der Band in Konkurrenz mit anderen, aus gleichem Anlaß veröffentlichten Biographien des argentinischen Revolutionsidols (siehe ZPol 3/97: 1.127 f. sowie ZPol 4/97: 1.596). Der Autor, ein Politikwissenschaftler, versucht jedoch, die Lebensbeschreibung aus einer anderen Perspektive zu geben als der gewöhnlich gewählten der Dokumentenmontage, der journalistischen Anekdotensammlung oder der romantisierenden Hagiographie. Ausgangspunkt dafür ist eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Bedeutung der historischen Person, ihrer Leistungen und Leitmotive: "Che Guevaras Ideen, sein Leben und Werk, seine Vorbildhaftigkeit gehören der Vergangenheit an. [...] Seine wichtigsten theoretischen und politischen Thesen [...] sind heute beinahe bedeutungslos geworden. Die kubanische Revolution - sein größter Triumph und authentischer Erfolg - liegt im Sterben und verdankt ihr Überleben lediglich der Ablehnung von Che Guevaras ideologischem Vermächtnis." (13) Dennoch konstatiert der Autor eine vielfach "nostalgische" Rückbeziehung auf Guevara als tragisch gescheiterten Revolutionär und seine anhaltende Präsenz als Medienikone, die wie keine andere aus den 1960er Jahren dem Mythos des frühverstorbenen Freiheitshelden seine zeitgenössische Gestalt gegeben habe. In diesem Sinne solle die Lebensgeschichte "im schnellen Rhythmus vorgetragen [...] sich lesen wie die Chronik der sechziger Jahre: hektisch, ereignisreich und vergänglich" (14). Indem der Autor die Zeit der sozialistischen Gesellschaftsexperimente und ihrer Revolutionsakteure als vollendete historische Vergangenheit betrachtet, rekonstruiert er den unmittelbaren Zeitbezug der Laufbahn Guevaras und beschreibt deren abruptes Ende als historisch erklärbar. Die zeitliche Koinzidenz seines Todes mit dem Höhepunkt der aus heutiger Sicht vielfach uneingelösten und enttäuschten emanzipatorischen Ziele der '68er-Bewegung läßt ihn posthum als deren Personifikation erscheinen.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.652.24 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Jorge G. Castañeda: Che Guevara. Frankfurt a. M./Leipzig: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4174-che-guevara_5887, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 5887 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA